Allgemeinanästhesie Hot

Dr. Christian Icke  
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2. Umgang mit Larynxmasken

3. PONV – Prophylaxe beim Erwachsenen

4. Neuromuskuläres Monitoring

6. Rapid Sequence Induction (RSI)

7. Fiberoptische Wachintubation

8. Aufwachraum


 

1. Balancierte Anästhesie - Vorbereitungen

Allgemeine Vorbereitungen
  • Konvektive Wärmezufuhr für den Patienten
  • EKG-Monitoring
  • Nichtinvasive Blutdruckmessung
  • Pulsoxymetrie
  • Intravenöser Gefäßzugang (18 - 20G-Flexüle) nach Anlage des Monitorings
  • Relaxometrie bei geplanter Muskelrelaxation

Bei Patienten mit ausgeschaltetem Defibrillator ist das Monitoring unmittelbar bei Ankunft im Vorbereitungsraum anzuschließen.
Die Beingurte sind oberhalb der Kniegelenke anzulegen und zu schließen.
Kommunikationshilfen (Brille, Hörgerät, Zahnprothesen) sind zur Anästhesieeinleitung in den dafür vorgesehenen Tüten aufzubewahren.

 

1.1 Vor der Anästhesieeinleitung

Vor Beginn der Anästhesie wird entsprechend der Checkliste "PERI" die

  • Patientenidentität,
  • die Art und Lokalisation des Eingriffs etc.

systematisch überprüft.

 

1.1.1 Überprüfung des Anästhesiezubehörs

  • Ist der tägliche Systemtest des Beatmungsgeräts durchgeführt?
  • Ist der Beatmungsdruckaufbau im manuellen Modus bei geschlossenem System möglich?
  • Sind die Anästhesiemedikamente und Notfallmedikamente aufgezogen und beschriftet?
  • Ist das Intubationsset vorbereitet und funktionstüchtig?
  • Liegen Beatmungsmasken und Hilfsmittel zur Beatmung griffbereit?

 

1.1.2 Standardmedikamente zur Anästhesieinduktion

  • Opiat: Sufentanil 50 µg/10ml (5 µg/ml)
  • Hypnotikum: Propofol 200 mg/20 ml (10 mg/ml)
  • Muskelrelaxans: Atracurium 50 mg/5 ml (10 mg/ml)

Alternative Medikamente zur Anästhesieinduktion:

  • Opiat: Remifentanil 1 mg/50 ml via Perfusor (20 µg/ml)
  • Hypnotika: Thiopental 500 mg/5 ml (100 mg/ml), Midazolam 5 mg/5 ml (1 mg/ml), Sevofluran inhalativ 
  • Sonderstellung (analgetische und anästhetische Potenz): (S)-Ketamin 25 mg/5 ml (5 mg/ml)
  • Muskelrelaxanzien: Mivacurium 20 mg/10ml (2 mg/ml), Succinylcholin 100 mg/5 ml (20 mg/ml)

Aufgezogene Notfallmedikamente zur Anästhesieeinleitung:

  • Noradrenalin 50 µg/5 ml (10 µg/ml), ggf. Noradrenalinperfusor 2 mg/20 ml (0,1 mg/ml)
  • Atropin 0,5 mg/5 ml (0,1 mg/ml)

 

1.2 Durchführen der Anästhesie

Grundsätzlich:
Ziel während der Anästhesie ist, die Homöostase des Patienten - individuell angepasst - aufrecht zu erhalten. Zur Schmerztherapie wird möglichst eine Regionalanästhesie durchgeführt. Sollte die Regionalanästhesie nicht umsetzbar sein, so erfolgt die Lokalanästhesie des Wundrandes durch den Operateur mit Ropivacain 0,5%.

 

1.2.1 Anästhesieeinleitung

  • Der Patient wird zunächst über eine dicht sitzende Maske (Kontrolle durch Kapnografie) mit 100% Sauerstoff so lang präoxygeniert, bis die endtidale O2-Konzentration > 80% ist.
  • Engmaschige Kontrolle des Blutdrucks bei Anästhesieeinleitung (Intervall der RR-Messung 2,5 – 5 min), maximal 30 % Reduktion des mittleren arteriellen Drucks (MAD) vom Ausgangs-MAD, minimaler Ziel-MAD 60 mmHg; Noradrenalinperfusor zur Einleitung bei erhöhtem patientenseitigen Risiko (ab Risikoscore 3) erwägen.
  • Injektion des Opioids (Sufentanil als Bolus, Remifentanil via Perfusor)
  • Injektion eines Hypnotikums ca. 1-2 Minuten nach Opioidgabe
  • Atemwegshilfen:
  • bei Platzieren einer Larynxmaske ist keine Maskenbeatmung und Muskelrelaxation erforderlich
  • bei endotrachealer Intubation:
  • Injektion des Muskelrelaxans unmittelbar nach Gabe des Hypnotikums, Kalibration des Relaxometers; Laryngoskopie erst, wenn keine motorische Antwort mehr auf die Nervenstimulation erfolgt
  • Laryngoskopie mit Macintosh-Spatel und endotracheale Intubation, dann Blocken des Tubuscuff, Cuff-Druck < 30 cm H2O
  • Männer: 7,5 - 8,5 mm ID Magilltubus
  • Frauen: 7,0 - 7,5 mm ID Magilltubus,
Kapnometrie/ Kapnographie: wichtig ist der konstante CO2-Nachweis über mehrere Atemzüge nach Intubation wenn Auskultation nach Intubation, dann auf Höhe Th 4 in der mittleren Axillarlinie beidseits Fixation des endotrachealen Tubus, Dokumentation der Tubustiefe auf Höhe des Mundwinkels, Einbringen eines Beißschutzes Wenn kein kompletter Lidschluss möglich oder Augen während der OP nicht einsehbar, dann Augenpflaster kleben und bei inkomplettem Lidschluss Augencreme applizieren spätestens nach Anästhesieeinleitung den Pupillenstatus dokumentieren

 

1.2.2 Aufrechterhalten der Anästhesie

Die Narkose wird inhalativ mit Desfluran oder als totale intravenöse Anästhesie (TIVA) mit Propofol fortgeführt. Die TIVA ist indiziert bei einem Apfel-Score von 4 sowie bei speziellen Operationen (z.B. mit intraoperativen Neuromonitoring, Schilddrüsenoperationen). Die Dosierung der TIVA beträgt in der Regel 6 (- 8) mg/kg/h dosiert nach dem tatsächlichen Gewicht des Patienten.

  • Das Anfluten von Desfluran erfolgt langsam mit einem niedrigen Frischgasfluß von 0,5 l/min bei auf 18 Vol% geöffnetem Vapor.
  • Der Ziel MAC-Wert (minimal 0,7) soll zum Schnitt erreicht sein.
  • Das Fortführen der Anästhesie erfolgt mit einem Frischgasfluß von 0,3 - 0,5 l/min.
  • Die TIVA/volatile Anästhesie wird bei fehlender Regionalanästhesie oder längerer OP-Dauer mit einem Opioid (Sufentanil oder Remifentanil) supplementiert.
  • Sollte eine wiederholte Gabe von nicht-depolarisierenden Muskelrelaxanzien erforderlich sein, so erfolgt diese nur unter relaxometrischer Kontrolle (Repetitionsdosis ca. 25% der Induktionsdosis)

 

1.2.3 Beatmung während der Anästhesie

  • Primär wird der Modus IPPV angewandt, um Schwankungen des Tidalvolumens durch operative Manipulationen oder Lagewechsel zu vermeiden.
  • Das Beatmungsvolumen richtet sich nach dem Idealgewicht des Patienten (Link zur Tabelle).  
  • Der PEEP beträgt bei Larnyxmaske standardmäßig 3 - 5 cm H20
  • Der PEEP beträgt bei endotrachealer Intubation standardmäßig 5 - 8 cm H20.
  • Individuelle PEEP Anpassung insbesondere bei endotracheal intubierten adipösen Patienten an Hand der möglichst geringen Druckdifferenz zwischen Spitzendruck und PEEP bei gleichbleibenden Tidalvolumen.
  • Nach Anschluss des endotrachealen Tubus an das Beatmungsgerät im Saal erfolgt beim  hämodynamisch stabilen, normovolämen Patienten ein Rekrutierungsmanöver. Dazu wird ein inspiratorischer Spitzendruck von 40 mbar für 7 Sekunden gehalten.
  • Der Ziel CO2-Wert beträgt endtidal 4,3 - 5 kPa. Bei vorliegender arterieller Blutgasanalyse (BGA) wird die Beatmung entsprechend der BGA angepasst (Ziel: Normoventilation bis ggf. moderate Hyperkapnie). Eine individuelle Anpassung des Ziel CO2 -Wertes erfolgt u.a. bei erhöhtem intrakraniellem Druck und bei lungenkranken Patienten.
  • Der inspiratorische Sauerstoffanteil sollte bei 40% liegen; ist eine größere Apnoetoleranz erwünscht (z.B. OP in Bauchlage oder Anästhesie mit Larynxmaske), kann der inspiratorische Sauerstoffanteil bis auf 80% erhöht werden.
  • Das Verhältnis Inspiration (I) zu Exspiration (E) wird an Hand der Flow-Messung eingestellt: Ziel ist ein endexspiratorischer Nullfluß. In der Regel beträgt das I:E-Verhältnis 1:1 bis 1:2.

 

1.2.4 Anästhesieausleitung

  • Voraussetzungen für die Ausleitung der Anästhesie sind u.a.
    • Kreislaufstabilität
    • Normothermie
    • eine TOF-Ratio > 90 %.
  • Ein Antagonisieren der Opiatwirkung durch Naloxon oder der Benzodiazepinwirkung durch Flumazenil erfolgt in der Ausleitungsphase bei einem Patienten mit gesichertem Atemweg nur nach fachärztlicher Indikation.
  • Liegt bei dem Patienten ein schwieriger Atemweg vor, den der zuständige Anästhesist nicht selbständig kontrolliert hat, so ist zur Ausleitung der zuständige Fach-/Oberarzt zu informieren.
  • Der Tubus wird unter positivem Atemwegsdruck in der Ausatmung entblockt und entfernt. Der inspiratorische Sauerstoffgehalt beträgt maximal 80%. Kein routinemäßiges Absaugen über den Tubus am OP-Ende.
  • Die Beatmungsmaske mit Filter bleibt nach der Extubation beim Patienten und wird erst nach der Umbettung im Aufwachraum verworfen.
  • Bei Patienten mit rückenmarksnaher Regionalanästhesie wird der Noradrenalinperfusor frühestens im Aufwachraum nach wiederholter Blutdruckmessung dekonnektiert.
 

2. Umgang mit Larynxmasken 

Standardmäßig erfolgt der Einsatz einer Larynxmaske der 1. Generation, d.h. einer Larynxmaske ohne Kanal für einen Magenschlauch. Grundvoraussetzung zur Anwendung ist die Nüchternheit des Patienten. Der inspiratorische Spitzendruck darf bei Larynxmasken der 1. Generation 20 cmH2O nicht übersteigen.

Die ProSeal Larynxmaske (Larynxmaske der 2. Generation) erlaubt erhöhte Beatmungsdrücke (25 - 30 cmH20) und erweitert damit das Einsatzspektrum der Larynxmaske. Nach fachärztlicher Indikation kann die ProSeal Larynxmaske bei Patienten mit Adipositas (BMI bis 35), bei laparoskopischen Eingriffen, bei (v.a. kurzen) Operationen in Bauchlage einer endotrachealen Intubation vorgezogen werden.

Obligate Tests  bei der Anwendung einer Pro Seal Larynxmaske:

  • positiver „Suprasternal Notch Test
  • negativer „Bubbletest
  • problemlose Anlage der Magensonde möglich
  • Oropharyngealer Leckagedruck > 25-30 cm H20
  • bestandener Maximaler-Minuten-Ventilationstest

Beide Larynxmasken (1. und 2. Generation) werden mit Cuffdruckmesser geblockt, hierbei beträgt der Cuffdruck maximal 60 cmH20.

Ein kontinuierliches Cuffdruckmonitoring ist bei Eingriffen mit zu erwartenden Änderungen des Atemwegsspitzendrucks / Cuffdruckes (z.B. in HNO) indiziert.

Achtung! Gefahr von Undichtheiten beim kontinuierlichen Messen (in Abhängigkeit vom verwendeten Cuffdruckmesser) => ggf. nachblocken.

Orientierende Größenauswahl

nach dem Körpergewichtnach dem Geschlechtnach der Körpergröße
50 - 70 kg Größe 4 Frauen Größe 5 < 175 cm Größe 4
70 - 100 kg Größe 5 Männer Größe 5 > 175 cm Größe 5
 
 

3. PONV – Prophylaxe beim Erwachsenen 

  • Zum Einschätzen des PONV-Riskos und zur Prophylaxe bestimmen wir bei jedem Patienten mit Allgemeinanästhesie den APFEL-Score. Er wird auf dem Anästhesieprotokoll bzw. auf dem Prämedikationsbogen dokumentiert.
  • Mono-/ Kombinationstherapie zur antiemetischen Prophylaxe:

Bei Vorliegen von:

Apfel ScoreMaßnahme 
0 - 1
  • 4 mg Dexamethason iv. zur Einleitung oder TIVA 
(ein Antiemetikum)
2 - 3
  • 4 mg Dexamethason iv. zur Einleitung
  • 4 mg Ondansetron iv. zur Ausleitung oder TIVA 
(zwei Antiemetika)
4
  • 4 mg Dexamethason iv. zur Einleitung
  • Allgemeinanästhesie (TIVA)
  • 4 mg Ondansetron zur Ausleitung
(drei Antiemetika)

Die TIVA wird wie der Einsatz eines Antiemetikums bewertet.

Therapie der PONV:

  • wenn kein Ondansetron zur Prophylaxe erhalten ⇒ 4 mg Ondansetron iv.
  • wenn Ondansetron zur Prophylaxe oder Therapie erhalten ⇒ Dimenhydrinat 62,5 mg iv.
  • wenn weiter PONV ⇒ Propofol in subanästhetischer Dosierung (in der Regel 20 mg-weise nach Wirkung)
  • wenn weiter PONV ⇒ Haloperidol 1,0 mg iv. nach fachärztlicher Indikation

Eine erneute Gabe von Medikamenten aus der gleichen Wirkstoffgruppe zur Prophylaxe/Therapie der PONV erfolgt erst wieder nach 6 Stunden.

 

4. Neuromuskuläres Monitoring

Unmittelbar nach der Gabe des Muskelrelaxans erfolgt die Kalibration. Der N. ulnaris wird mit 50 mA stimuliert, die Reizantwort (TOF) des M. adductor pollicis wird mit dem Akzelerometer gemessen. Die endotracheale Intubation erfolgt, sobald auf die Nervenstimulation keine motorische Antwort mehr erfolgt.

Die Erholung von einer neuromuskulären Blockade kann nur durch quantitatives neuromuskuläres Monitoring sicher erfasst werden. Hierzu muss der Patient eine TOF-Ratio ≥ 0,9 aufweisen. Der Zeitpunkt der neuromuskulären Erholung ist auf dem Anästhesieprotokoll zu notieren.

  • TOF-Ratio ≥ 0,9: keine Antagonisierung
  • TOF-Ratio > 0,7 < 0,9: abwarten oder Neostigmin 10 µg/kg
  • TOF-Ratio >0,5, < 0,7: Neostigmin 20 µg/kg
  • TOF-Ratio < 0,5, mindestens TOF 2 von 4 Schlägen sichtbar, 40 µg/kg.

Neostigmin wird mit 0,5 mg Atropin kombiniert.

Achtung: Neostigmingabe bei Patienten mit Asthma bronchiale, COPD, bradykarden Herzrhythmusstörungen und AV-Überleitungsstörungen nur nach fachärztlicher Rücksprache.

Nach der Neostigmingabe ist das quantitative neuromuskuläre Monitoring weiterzuführen, bis die TOF-Ratio > 0,9 ist.

Um auch bei nicht kalibrierter, punktueller Messung Restblockaden zuverlässig ausschliessen zu können, ist eine TOF-Ratio von 1,0 empfohlen.

Sollte kein neuromuskuläres Monitoring verfügbar sein, so wird das Muskelrelaxans vor der Extubation antagonisiert, wenn die letztmalige Gabe von Atracurium weniger als 120 min vergangen ist.

Sollte nur ein qualitatives Neuromonitoring möglich sein, so sind die Zeitpunkte zu notieren, an denen zunächst die motorische Antwort auf die TOF-Stimulation taktil gleich ist (entspricht etwa einer TOF-Ratio von 40%) und im Verlauf die motorische Antwort auf die Double Burst Stimulation taktil identisch ist (dies entspricht etwa einer TOF-Ratio von 70%). 15 Minuten nach der taktil identischen Antwort auf die Double Burst Stimulation ist eine Extubation ohne Antagonisierung vertretbar.

 

5. Indikation zur

5.1 Anlage eines Harnblasenkatheters

  • lange OP-Dauer (> 3 - 4 h)
  • Überwachung der Diurese und/oder Beurteilung des Urins
  • operativ bedingt, z.B. nach Hüft-TEP und PLIF bei Frauen, laparoskopische Sigma-/Rektum-Op
 

5.2 Anlage einer Magensonde

  • laparoskopische Operationen, viszerale Operationen
  • zum Entlasten des Magens vor Ileus-Einleitung
  • postoperatives enterales Ernähren nach Operationen im Kiefer-Gesichtsbereich
  • Entlastung insufflierter Luft nach ösophagealer Intubation oder schwieriger Maskenbeatmung
  • HWS-Operationen: zum leichteren Identifizieren des Ösophagus für den Operateur
 

5.3 Anlage einer Temperatursonde 

Jeder Patient erhält bei einer Anästhesiedauer > 1 h ein kontinuierliches Temperaturmonitoring.

Messorte:

  • 1. Wahl: sublingual
  • 2. Wahl: nasopharyngeal
  • 3. Wahl: rektal

Grundsätzliches zum Wärmemanagement:

  • Die aktive Wärmezufuhr im Vorbereitungsraum ist Standard.
  • Durch Abdecekn der Körperbereiche außerhalb des Op
 

6. Rapid Sequence Induction (RSI) 

Das Ziel der RSI ist das rasche Erreichen einer tiefen Anästhesie bei aspirationsgefährdeten Patienten, um den Atemweg durch tracheale Intubation zu sichern.

Unterschiede zur Anästhesieeinleitung bei nüchternen Patienten sind:

  • Es ist ein Fach- bzw. Oberarzt hinzuzurufen. Dieser entscheidet, ob seine persönliche Anwesenheit erforderlich ist. Ausgenommen ist die Notsectio.
  • Das Standardmuskelrelaxans ist Succinylcholin.
  • Primär keine Maskenbeatmung, wenn notwendig, dann druckbegrenzt (pmax 15 cmH2O).
  • Falls kein Magensonde liegen sollte, wird vor der Anästhesieeinleitung eine Magensonde gelegt, wenn erwartet oder in der Bilddiagnostik nachgewiesen ist, dass der Magen mit dünnflüssigem Inhalt gefüllt ist (z. B. Dünndarmileus). Der Magenschlauch wird vor der Intubation wieder entfernt.

Ablauf

  • Fach- bzw. Oberarzt informieren
  • Tubus mit Führungsstab (mit Gleitmittel) schienen und anatomisch gerecht formen, Blockerspritze anschliessen
  • Absaugsystem mit großlumigem Absaugschlauch vorbereiten und zur Medikamentengabe den Sog anstellen.
  • Lagerung des Patienten
  • Ziel = optimale Intubationsbedingungen
  • Rückenlage oder
  • leichte Oberkörperhochlagerung
Magensonde
  • Über die liegende Magensonde (oder die bei Anhalt für dünnflüssigem Mageninhalt vor der Anästhesie platzierte Magensonde) den Inhalt absaugen.
  • Sonde vor Anästhesieeinleitung entfernen.
Präoxygenierung
  • Frischgasfluss 8-10 l/min
  • FiO2 1,0
  • dichter Maskenschluss
  • Ziel: FeO2 > 80 %

Anästhesieeinleitung

  • Ziel ist, schnell eine tiefe Anästhesie zu erreichen
  • Kreislauffunktion bei Bedarf mit Noradrenalin stabilisieren. Bei instabilen Patienten vor der Einleitung Anlage einer arteriellen Druckmessung erwägen.
  • dazu Anästhetika in rascher Folge und hoch dosiert verabreichen
  • Anästhetika
    • Sufentanil; alternativ beim instabilen Patienten S-Ketamin 0,5 - 1,0 mg/kg KG + Volumen + Noradrenalinperfusor vor Begnn der Einleitung
    • Propofol
    • Succinylcholin 1 - 1,5 mg/kg KG; alternativ Atracurium (1,2 mg/kg KG) bei Kontraindikationen gegen Succinylcholin (immobilisierte oder gelähmte Patienten, Hyperkaliämie)
    • Achtung: Atracurium zur Operation erst verabreichen, wenn das Abklingen der Succinylcholinwirkung mittels TOF objektiviert wurde.
  • Intubation
  • Wichtig: Vorbereitungen für einen unerwartet schwierigen Atemweg sind getroffen.
  • Erst in tiefer Anästhesie und bei vollständiger Muskelrelaxation (in der Regel 45 s nach Gabe von Succinylcholin) wird zügig intubiert.
  • Entfernen des Führungsstabes aus dem Tubus, wenn die Tubusspitze die  Glottisebene gerade passiert hat.
  • Blocken des Cuffs sofort nach Tubusplatzierung in der Trachea.
  • Maskenbeatmung nur bei drohender Hypoxie druckbegrenzt (pmax 15 cmH2O)
  • Anlage einer Larynxmaske zur überbrückenden Ventilation bei misslungener Intubation möglich.
 

7. Fiberoptische Wachintubation

 

8. Aufwachraum

8.1 Übergabe des Patienten

  • Bei der Übergabe werden folgende Informationen übergeben:
    • Name
    • Alter
    • Art der Operation und des Anästhesieverfahrens
    • wesentliche Vorerkrankungen und Allergien sowie
    • Besonderheiten des Operationsverlaufs (z.B. Blutung) und der Narkose (z.B. schwieriger Atemweg).
  • Die Lage der Gefäßzugänge sowie der nach außen abgeleiteten Drainagen wird erklärt und muss dokumentiert sein.
  • Auf mögliche Komplikationen des operativen Eingriffs wie Nachblutungen, Durchblutungsstörungen etc. muss hingewiesen werden.
  • Die Anordnungen zur postoperativen Behandlung (Schmerztherapie, Antibiotika, Infusionen, orale Flüssigkeitsaufnahme, Laboruntersuchungen, Sog an Drainagen, Lagerung, Schienen etc.) werden weitergegeben und sind auf dem Anästhesieprotokoll dokumentiert.
  • Die Kommunikationshilfen werden den Patienten wieder angeboten (Zähne, Brille, Hörgerät).

Herzfrequenz, Atemfrequenz und Sättigung werden im Aufwachraum kontinuierlich, der Blutdruck intermittierend (5 minütlich, bei Kreislaufstabilität im Verlauf 15 minütlich) bestimmt.

 

8.2 Postoperative Schmerztherapie

  • Jeder Patient wird im Aufwachraum wiederholt nach seinem Wohlbefinden gefragt.
  • Bei Angabe von Schmerzen wird die Lokalisation und Stärke der Schmerzen erfragt.
  • Regionale Schmerztherapie:
    • Vor Gabe einer systemischen Analgesie ist zu prüfen, ob eine durchgeführte Regionalblockade insuffizient ist bzw. ob eine Regionalblockade zur Schmerztherapie möglich ist.
  • Systemische Schmerztherapie:
    • Starke Schmerzen werden systemisch mit Morphin 3 - 5 (- 10) mg i.v. therapiert.
    • Das Wiederholungsintervall der Morphingabe beträgt minimal 10 Minuten.
    • Die Morphingabe kann durch ein peripheres Analgetikum ergänzt werden.
    • Bei stärksten Schmerzen initial oder additiv zur Morphingabe die ärztliche Gabe von Ketamin-S erwägen (Ketamin-S immer in Kombination mit Propofol oder alternativ Midazolam).

=> Keine Patientverlegung aus dem Aufwachraum mit einem NRS > 3!
(Schmerz-Skala: NRS 0 = kein Schmerz, NRS 10 = max. vorstellbarer Schmerz)

 

8.3 PONV Therapie beim Erwachsenen im Aufwachraum

Ist-ZustandAktion
wenn kein Ondansetron zur Prophylaxe erhalten ⇒
  • 4 mg Ondansetron iv.
wenn Ondansetron zur Prophylaxe oder Therapie erhalten ⇒
  • Dimenhydrinat 62,5 mg iv.
  • Propofol in subanästhetischer Dosierung (in der Regel 20 mg-weise nach Wirkung)
  • Haloperidol 0,5 - 1,0 mg iv. (Facharzt-Indikation, off-label use)

Eine erneute Gabe von Medikamenten aus der gleichen Wirkstoffgruppe (Ausnahme Propofol) zur Prophylaxe/Therapie der PONV erfolgt erst wieder nach 6 Stunden.

 

8.4 Delir im Aufwachraum

  • Delirprävention durch Homöostase und Strukturvermittlung (zeitliche und örtliche Orientierung geben, Hör- und Sehhilfen des Patienten nutzen)
  • Behandelbare Ursachen des Delirs suchen und therapieren (v.a. Schmerztherapie, Hypoxie und Hypovolämie behandeln, auf Symptome des zentral anticholinergen Syndroms achten)
  • Falls erforderlich: pharmakologische Intervention zur symptomatischen Therapie des Delirs nach Ausschöpfen nichtmedikamentöser Maßnahmen

Führendes Symptom:

  • Hyperaktivität u./o. Angst
  • Propofol nach Wirkung bei Eigen-/Fremdgefährdung
  • Midazolam 1-2,5 mg weise,

bei persistierender Unruhe plus vegetativer Entgleisung

  • Clonidin 75-150 (- 300) µg

produktiv-psychotische Symptomatik (wahnhaftes Erleben, Halluzinationen)

  • Benperidol 0,5 - 1,0 mg iv.

 

8.5 Postoperatives Kältezittern

  • Überwiegend tritt postoperatives Shivering als thermoregulatorische Antwort auf eine perioperative Hypothermie auf. Weitere Ursachen sind Anästhetika vermittelte Effekte oder Fieber.
  • Um die negativen Auswirkungen des Shiverings zu vermeiden, sollte bei Auftreten
  • dem Patienten Wärme zugeführt werden
  • Clonidin 0,15-0,3 µg/kg i.v. oder alternativ 30 mg/kg Magnesiumsulfat langsam i.v. verabreicht werden

 

8.6 Verlegung aus dem Aufwachraum

Verlegungskriterien für die Normalstation sind:

  • Der Patient
    • ist wach und orientiert
    • ist kardiopulmonal stabil
    • hat keine Schmerzen im Sinne von NRS > 3
    • hat keine PONV bzw. erfolgreich therapierte PONV
    • hat getrunken
    • ist frei von Nachblutungen/ Durchblutungsstörungen
    • ist frei von unerwarteten Paresen.
  • Die Übergabe des Patienten vom Aufwachraum an die Normalstation oder IMC folgt der beschriebenen Übergabe (s.o.) und wird durch Besonderheiten im Aufwachraum (z.B. PONV, Delir) ergänzt.
  • Vor Verlegung prüfen, ob ggf. schon eine Flexüle entfernt werden kann.
    Flexülen, über die Noradrenalin via Perfusor gegeben wurde, werden grundsätzlich vor Verlegung auf eine periphere Station entfernt.
  • Auch Harnblasenkatheter sind in ihrer Indikation zu hinterfragen und ggf. vor Verlegung zu entfernen.

SOP Kopfdaten

Version
2
Gültigkeit
04. Mrz. 2017
Alle anzeigen: HK Erfurt
Bereich
Ärzte

Changelog

04.03.2015: SOP überarbeitet (Dr. Achim Spenner)

Quellen

O’Connor CJ Jr, Borromeo CJ, Stix MS (2002) Assessing ProSeal laryngeal mask positioning: The suprasternal notch test. Anesth Analg 94:1374–1375

Brimacombe J, Keller C (2005) Prime the ProSeal drain tube with lube from a tube! Can J Anaesth 52:338–339

Timmermann A, Cremer S, Eich C et al (2009) Prospective clinical and fiberoptic evaluation of the Supreme laryngeal mask airway. Anesthesiology 110:262–265