Aufwachraum Hot

Dr. Christian Icke  
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1. Übergabe des Patienten

2. Postoperative Schmerztherapie

3. PONV-Therapie beim Erwachsenen

4. Delir im AWR

5. Postoperatives Kältezittern

6. Verlegung aus dem Aufwachraum


 

1. Übergabe des Patienten

  • Bei der Übergabe werden folgende Informationen übergeben:
    • Name
    • Alter
    • Art der Operation und des Anästhesieverfahrens
    • wesentliche Vorerkrankungen und Allergien sowie
    • Besonderheiten des Operationsverlaufs (z.B. Blutung) und der Narkose (z.B. schwieriger Atemweg).
  • Die Lage der Gefäßzugänge sowie der nach außen abgeleiteten Drainagen wird erklärt und muss dokumentiert sein.
  • Auf mögliche Komplikationen des operativen Eingriffs wie Nachblutungen, Durchblutungsstörungen etc. muss hingewiesen werden.
  • Die Anordnungen zur postoperativen Behandlung (Schmerztherapie, Antibiotika, Infusionen, orale Flüssigkeitsaufnahme, Laboruntersuchungen, Sog an Drainagen, Lagerung, Schienen etc.) werden weitergegeben und sind auf dem Anästhesieprotokoll dokumentiert.
  • Die Kommunikationshilfen werden den Patienten wieder angeboten (Zähne, Brille, Hörgerät).

Herzfrequenz, Atemfrequenz und Sättigung werden im Aufwachraum kontinuierlich, der Blutdruck intermittierend (5 minütlich, bei Kreislaufstabilität im Verlauf 15 minütlich) bestimmt.

 

2. Postoperative Schmerztherapie

  • Jeder Patient wird im Aufwachraum wiederholt nach seinem Wohlbefinden gefragt.
  • Bei Angabe von Schmerzen wird die Lokalisation und Stärke der Schmerzen erfragt.
  • Regionale Schmerztherapie:
    • Vor Gabe einer systemischen Analgesie ist zu prüfen, ob eine durchgeführte Regionalblockade insuffizient ist bzw. ob eine Regionalblockade zur Schmerztherapie möglich ist.
  • Systemische Schmerztherapie:
    • Starke Schmerzen werden systemisch mit Morphin 3-5(-10) mg i.v. therapiert.
    • Das Wiederholungsintervall der Morphingabe beträgt minimal 10 Minuten.
    • Die Morphingabe kann durch ein peripheres Analgetikum ergänzt werden; in der Regel Metamizol (15-20 mg/kg über 10 Minuten i.v.).
    • Bei stärksten Schmerzen initial oder additiv zur Morphingabe die ärztliche Gabe von Ketamin-S erwägen (Ketamin-S immer in Kombination mit Propofol oder alternativ Midazolam).

=> Keine Patientverlegung aus dem Aufwachraum mit einem NRS > 3!
(Schmerz-Skala: NRS 0 = kein Schmerz, NRS 10 = max. vorstellbarer Schmerz)

 

 

3. PONV Therapie beim Erwachsenen im Aufwachraum

Ist-ZustandAktion
wenn kein Ondansetron zur Prophylaxe erhalten ⇒
  • 4 mg Ondansetron iv.
wenn Ondansetron zur Prophylaxe oder Therapie erhalten ⇒
  • Dimenhydrinat 62,5 mg iv.
  • Propofol in subanästhetischer Dosierung
    (in der Regel 20 mg-weise nach Wirkung)
  • Haloperidol 0,5 - 1,0 mg iv. (Facharzt-Indikation, off-label use)

Eine erneute Gabe von Medikamenten aus der gleichen Wirkstoffgruppe (Ausnahme Propofol) zur Prophylaxe/Therapie der PONV erfolgt erst wieder nach 6 Stunden.

 

4. Delir im Aufwachraum

  • Delirprävention durch Homöostase und Strukturvermittlung (zeitliche und örtliche Orientierung geben, Hör- und Sehhilfen des Patienten nutzen)
  • Behandelbare Ursachen des Delirs suchen und therapieren (v.a. Schmerztherapie, Hypoxie und Hypovolämie behandeln, auf Symptome des zentral anticholinergen Syndroms achten)
  • Falls erforderlich: pharmakologische Intervention zur symptomatischen Therapie des Delirs nach Ausschöpfen nichtmedikamentöser Maßnahmen

Führendes Symptom:

  • Hyperaktivität u./o. Angst
  • Propofol nach Wirkung bei Eigen-/Fremdgefährdung
  • Midazolam 1-2,5 mg weise,
bei persistierender Unruhe plus vegetativer Entgleisung
  • Clonidin 75-150 (- 300) µg
produktiv-psychotische Symptomatik (wahnhaftes Erleben, Halluzinationen)
  • Benperidol 0,5 - 1,0 mg iv.

 

5. Postoperatives Kältezittern

  • Überwiegend tritt postoperatives Shivering als thermoregulatorische Antwort auf eine perioperative Hypothermie auf. Weitere Ursachen sind Anästhetika vermittelte Effekte oder Fieber.
  • Um die negativen Auswirkungen des Shiverings zu vermeiden, sollte bei Auftreten
  • dem Patienten Wärme zugeführt werden
  • Clonidin 0,15-0,3 µg/kg iv. (alternativ 30 mg/kg Magnesiumsulfat langsam i.v.) verabreicht werden

 

6. Verlegung aus dem Aufwachraum

Verlegungskriterien für die Normalstation sind:

  • Der Patient
    • ist wach und orientiert
    • ist kardiopulmonal stabil
    • hat keine Schmerzen im Sinne von NRS > 3
    • hat keine PONV bzw. erfolgreich therapierte PONV
    • hat getrunken
    • ist frei von Nachblutungen/ Durchblutungsstörungen
    • ist frei von unerwarteten Paresen.
  • Die Übergabe des Patienten vom Aufwachraum an die Normalstation oder IMC folgt der beschriebenen Übergabe (s.o.) und wird durch Besonderheiten im Aufwachraum (z.B. PONV, Delir) ergänzt.
  • Vor Verlegung prüfen, ob ggf. schon eine Flexüle entfernt werden kann.
    Flexülen, über die Noradrenalin via Perfusor gegeben wurde, werden grundsätzlich vor Verlegung auf eine periphere Station entfernt.
  • Auch Harnblasenkatheter sind in ihrer Indikation zu hinterfragen und ggf. vor Verlegung zu entfernen.

SOP Kopfdaten

Version
1
Gültigkeit
29. Jul. 2017
Alle anzeigen: HK Erfurt
Bereich
Pflege
Autor/en
Dr. Achim Spenner

Changelog

29.07.2015: SOP neu erstellt