Gynäkologie, Schwangerschaft und Geburtshilfe

Gynäkologie, Schwangerschaft und Geburtshilfe Hot

Dr. Christian Icke  
4142   0   0   0   0  

Anästhesie in der Gynäkologie

1. Prämedikation und Schmerztherapie
2. Spezielle Operationen

 

Anästhesie in Schwangerschaft und Geburtshilfe

3.   Anästhesie in der Schwangerschaft
4.   Aufklärung zur Peridural-/ Spinalanästhesie
5.   Aspirationsprophylaxe und Nüchternheit
6.   Geburtshilfliche Regionalanästhesie
7.   Allgemeinanästhesie zur Sectio caesarea
8.   Umgang mit Uterotonika
9.   Schmerztherapie nach Sectio caesarea
10. Anästhesie auf dem Kreißsaal
11. In der Stillzeit geeignete Medikamente

 


 

Operationen in der Gynäkologie - Prämedikation und Schmerztherapie

Stärke der postoperativen Schmerzen Therapie
Stufe 1: leicht 
(z.B. Abrasio, Abruptio, Nachtastung, Konisation, MPE)
  • Prämedikation mit Ibuprofen 400 mg
  • postoperativ auf Station bei Bedarf 40 Tropfen Metamizol
Stufe 2: mittelstark bis stark 
(Operationen außer Stufe 1 und 3, z.B. vaginale Uterusexstirpation, laparoskopisch assistierte vaginale Hysterektomie (LAVH), Laparoskopie)
  • Prämedikation mit Oxycodon lt. KG + Ibuprofen 400 mg
  • Postoperativ
    • 12stündlich 1 Tablette Oxycodon lt. KG
    • 8-6 stündlich Ibuprofen 400 mg + bei Bedarf 1 Tbl. Morphin 10 mg
Konzept für Ablatio,
brusterhaltende Therapie (BET), DIEP-FLAP
  • Prämedikation mit Ibuprofen 400 mg
  • Präoperativ Anlage eines PVB
  • Postoperativ ab 1.p.o. Tag
    • 12stdl. 1 Tablette Oxycodon lt. KG mg +
    • 8-6 stündlich Ibuprofen 400 mg
    • bei Bedarf 1 Tbl. Morphin 10 mg
    • bei Bedarf Analgetikagabe ab OP-Tag
Stufe 3:  stark 
(z.B. Wertheim-OP, Ovarialkarzinom, große Längsschnitt-Laparotomien, abdominale UE )
  • Keine Prämedikation mit Analgetika!
  • präoperative Anlage eines tief thorakalen PDK (Th9)
  • Bestückung lt. Standard
  • Liegedauer 2 - 3 Tage
  • Nach Entfernen des PDK:
    • 12stündlich 1 Tablette Oxycodon lt. KG
    • 8-6 stündlich Ibuprofen 400 mg +
    • bei Bedarf 1 Tbl. Morphin 10 mg

Achtung:

  • Bei geplanter Verabreichung von Ibuprofen > 7 Tage muss Pantoprazol 40 mg 1x1 zusätzlich ordiniert werden!
  • Ibuprofen ist bei Patienten mit Herzinsuffizienz kontraindiziert.

 

2. Spezielle Operationen

2.1 Kleine Eingriffe (Abruptio, Abrasio, instrumentelle Nachtastung)

  • Standardmonitoring
  • Steinschnittlagerung
    • Maskennarkose (Abrasio, Abruptio, Nachtastung) oder
    • Larynxmaske (Konisation, Hysteroskopie)
  • Remifentanil 1 mg/50 ml kontinuierlich 0,15 - 0,20 µg/kg/min 
  • nach dem Einsetzen der Rewmifentanilwirkung Propofolbolus langsam i.v.
  • bei Abrasiones, Abruptiones, Nachtastungen: Aufrechterhalten der Anästhesie mit Remifentanil s. o. und kleinen Repetitionsdosen Propofol (kurze OP-Zeit)
  • bei Konisationen oder Hysteroskopie (OP-Zeit meist länger als 20 min) nach der Einleitung mit Propofol Platzieren einer Larynxmaske und Aufrechterhalten der Anästhesie mit Remifentanil (s. oben) sowie Desfluran 2 - 3 Vol%
  • Auf dem Anästhesieprotokoll muss vermerkt werden, dass die Patientin nach weiterem unauffälligen Verlauf nach gynäkologischer Visite 3 h postop. nach Hause entlassen werden kann.

2.2 Laparoskopie, vag. UE, vag. UE mit Plastik, plastische Beckenboden-Operationen (PERIGEE™ = System zur Korrektur des Blasenvorfalls in die Scheide)

  • Standardmonitoring
  • Intubationsnarkose
  • balancierte Anästhesie
  • bei Laparoskopie Trendelenburg-Lagerung, dazu gepolsterte Schulterstütze am nicht ausgelagerten Arm (in der Regel rechts)

2.3 Abdominale UE, abd. UE mit LNE, Wertheimsche Radikal-OP, Ovarial-Ca, (Vulvektomie nach Rücksprache Operateur)

  • Standardmonitoring
  • Intubationsnarkose
  • tief thorakaler PDK (Th 9 - Th10)
  • balancierte Anästhesie
  • gepolsterte Schulterstütze rechts wegen Trendelenburg-Lagerung
  • mindestens zwei großlumige periphere venöse Zugänge (1x 18 G, 1x 17 G oder größer)

2.4 Laparoskopisch assistierte suprazervikale Hysterektomie

  • Standardmonitoring
  • Positionieren der venösen Zugänge wenn möglich nicht am Handrücken, da in Steinschnittposition Dislokationsgefahr, 
  • Intubationsnarkose,
  • balancierte Anästhesie
  • Temperaturmonitoring und Wärmemanagement gemäß SOP Allgemeinanästhesie
  • Lagerung in Steinschnittposition, beide Arme angelagert => Infusionssysteme verlängern
  • gepolsterte Schulterstütze rechts, bei großen Patienten beidseits

2.5 Mamma-ProbeExzision (MPE)

  • Standardmonitoring
  • Larynxmaske
  • balancierte Anästhesie

2.6 BrustErhaltende Therapie, BET mit Sentinel

  • Standardmonitoring
  • TIVA
  • venöser Zugang und nichtinvasive Blutdruckmessung an der nicht zu operierenden Seite
  • bei beidseitigem Mamma-Karzinom Anlage eines venösen Zugangs nach Rücksprache mit dem Operatuer; oft bereits zuvor operierte andere Seite möglich

2.7 axilläre LNE, Ablatio

  • wie 2.6, nur mit PECS-Block
  • dieser Block kann auch beidseits erfolgen, dann bitte auf maximale Dosis des Lokalanästhetikums achten

2.8 DIEP–FLAP (Deep Inferior Epigastric Perforator Flap)

  • Standardmonitoring + art. DM + Temperatursonde + HBK
  • ITN
  • PVB
  • TIVA + ggf. Remifentanil, bei OP – Ende 10 µg Sufentanil
  • Definition von Ziel-MAD und Ziel-Herzfrequenz in Abhängigkeit vom individuellen Risikoprofil des Patienten mit dem verantwortlichen Fach-/ Oberarzt
  • Alle 2-3 h arterielle BGA inclusive Laktat
  • Ziel ist, vollständig auf Noradrenalin zu verzichten. Sollte dennoch der Einsatz notwendig werden, ist die Indikation und Dosierung mit dem verantwortlichen Fach-/ Oberarzt zu besprechen.
  • p.o. Thromboseprophylaxe mit 0,4 mg/kg KG Enoxaparin 2x tgl.
  • p.o. INT  

2.9 Plastische Operationen (Mammareduktionsplastik, Bauchdeckenplastik)

  • Standardmonitoring
  • Intubationsnarkose
  • balancierte Anästhesie
  • bei Bauchdeckenplastik ggf. thorakaler PDK, Blasenkatheter, postoperativ "Knick-Bett" mit angewinkelten Beinen

2.10 TVT-Exact, alle Bandoperationen, Injektionen von Bulkamid und Botulinumtoxin

  • Standardmonitoring
  • Maske/ O2-Insufflation
  • iv.-Sedierung 

2.11 Elevate anterior/posterior (vordere/hintere Scheidenfixation)

  • Standardmonitoring
  • Spinalanästhesie, wenn die Patientin dies wünscht; sonst Larynxmaske in balancierter Anästhesie

2.12 Abdominale Kolposuspension nach Burch

  • Standardmonitoring
  • ITN wegen Laparoskopie
  • balancierter Anästhesie

2.13 Sonderfall der angiographische Myomembolisation

  • die Patientinnen erhalten zur Schmerztherapie einen tiefthorakalen PDK Th9 - Th10 im AWR lt. SOP. KEINE Narkose!
  • Bestückung des PDK mit 8 ml der Ropivacain/Sufentani-Mischspritze
  • Kontinuierliche Applikation von Ropivacain 0,375% 6-10 ml
  • nach Überprüfen der Kreislauffunktion wird die Patientin durch die Station in die Angiographie gebracht
  • Entfernen des PDK am 3. Tag nach Eingriff

 

3.   Anästhesie in der Schwangerschaft

3.1 Anästhesie in der Schwangerschaft

  • Standardmonitoring, CTG-Kontrolle und Tokolyse nach Rücksprache mit dem Gynäkologen
  • im 1. Trimenon wenn wenn möglich Regionalanästhesie bevorzugen
  • bei ITN: TIVA mit Normoventilation
  • Dexamethason und Dimenhydrinat möglich, Ondansetron nur im Ausnahmefall
  • Aufrechterhalten eines MAD von 60 mmHg (Plazenta hat keine Autoregulation!)
  • Cave Cavakompressionsyndrom: ab 17. SSW leichte Linksseitenlagerung

3.2 Schmerztherapie in der Schwangerschaft

  • 1. Trimenon bis 28. - 30. Schwangerschaftswoche:
    • bevorzugter Einsatz von Ibuprofen
    • MSI, Morphin p.o. und Oxycodon zur zeitlich begrenzten p.o. Schmerztherapie möglich
  • Ab der 30. Schwangerschaftswoche:
    • Kein Ibuprofen wegen drohendem vorzeitigem Verschluß des Ductus arteriosus Botalli und Hemmung der neonatalen Nierenfunktion
    • MSI, Morphin p.o. und Oxycodon zur zeitlich begrenzten p.o. Schmerztherapie möglich

Bei sicherer Allergie auf o.g. Medikamente kann Paracetamol verwendet werden. Auf Metamizol soll in der Schwangerschaft verzichtet werden.

3.3 Regionalanästhesie in der Schwangerschaft

  • Ropivacain und Bupivacain sind unbedenklich
  • Mepivacain nur in Ausnahmefällen
  • Kein Prilocain

3.4 Medikamente in der Schwangerschaft

Die früher gebräuchlichen Einschränkungen bei Medikamentengaben sowie Stillpausen sind überholt. Die Aufnahme von Anästhetika in die Muttermilch findet zwar statt, jedoch ist der Anteil pharmakologisch gesehen dermaßen vernachlässigbar, dass auf eine Stillpause aus heutiger Sicht verzichtet werden kann. Auch auf das Abpumpen der Muttermilch nach einer Allgemeinanästhesie kann aus heutiger Sicht verzichtet werden.

Auf www.embryotox.de kann man sich sehr gut über den Einsatz von Medikamenten in der Schwangerschaft informieren.


4.   Aufklärung zur Peridural-/ Spinalanästhesie

Die Aufklärung zur geburtshilflichen PDA erfolgt täglich im Kreißsaal zwischen 08:30 Uhr und 09:30 Uhr.

Auch bei nicht aufgeklärten Patientinnen ist eine PDK-Anlage nach Nutzen-Risiko-Analyse möglich. Kreißende sind zwar nicht geschäfts-, aber aufklärungsfähig. Das Aufklärungsgespräch ist möglichst mit Angabe von Zeugen zu dokumentieren. Zusätzlich sollte die Dokumentation einer Indikationstellung der PDA (wenn vorhanden) durch den Geburtshelfer erfolgen.

Bei geplanter und dringender Sectio caesarea ist die Spinalanästhesie das Anästhesieverfahren der Wahl (höhere mütterliche Letalität bei ITN, Häufigkeit der schwierigen ITN 1:280). Lehnt die Patientin die Regionalanästhesie ab, wird dies im Aufklärungsbogen dokumentiert.


5.   Aspirationsprophylaxe und Nüchternheit

Eine medikamentöse Aspirationsprophylaxe bei geplanter Sectio wird nicht durchgeführt. Auch bei der Notsectio wird auf die Applikation von Natriumzitrat verzichtet, um die Anästhesieeinleitung nicht zu verzögern. Die Nüchternheitsgrenzen bei einer geplanten Sectio entsprechen denen einer normalen geplanten ITN. 


6.   Geburtshilfliche Regionalanästhesie

6.1 Geburtshilfliche PDA

6.1.1 Indikationen

  • Wunsch der Schwangeren
  • protrahierte Geburt
  • Vorerkrankungen der Schwangeren:
    - pulmonale Erkrankungen
    - kardiovaskuläre Erkrankungen, bei denen eine adrenerge Stimulation bzw. ein Valsalva-Manöver vermieden werden muss
    - endokrinologische Erkrankungen (z. B. Diabetes mellitus: Senkung des mütterlichen Energieverbrauchs, günstiger Einfluss auf uteroplazentare Durchblutung, bei Sectio Verkürzen der Nüchternzeit)
    - Epilepsie (Vermeiden einer krampffördernden Hyperventilation und respiratorischen Alkalose)
    - zu erwartende schwierige Intubation
    - MH-Disposition
    - Aneurysmen der Hirngefäße (Vermeiden von Blutdruckanstieg und Valsalva-Manöver)
  • Präeklampsie, Eklampsie, HELPP-Syndrom (Schmerzbekämpfung, Sympathikusblockade, günstiger Einfluss auf uteroplazentare Perfusion)
    Achte auf: intravasale Hypovolämie! Thrombozytenzahl
  • Risikogeburten (Frühgeburt, Wachstumsretardierung, Beckenendlage, Mehrlingsschwangerschaft)
  • Lageanomalien

6.1.2 Geburtshilfliche Regionalanästhesie und Gerinnung 

  • Bei einer gesunden Schwangeren mit unauffälliger Gerinnungsanamnese ist keine laborchemische Kontrolle der Gerinnung nötig.
  • Bei Präeklampsie und HELLP-Syndrom Möglichkeit des Thrombozytensturzes bedenken (kann auch postoperativ auftreten).

 

Quelle: Anästh Intensivmed 2007;48:S109-S124
 

6.1.3 Durchführen der geburtshilflichen PDA

  • Tokolyse ist möglich, günstiger ist die Anlage während der Wehenpause
  • Flüssigkeitsgabe:
    venöser Zugang. CO-Priming mit Jonosteril 1/1 1000 ml
  • Standardmonitoring bis zum Eintreten einer stabilen Analgesie (ca. 20 - 30 min), danach ist kein Monitoring mehr notwendig 

     Durchführung:

  • Punktionsort: L3/4
  • Testdosis: 4 ml Ropivacain 0,2 %
  • Initialbolus: 6 ml Ropivacain 0,2 % + 10 µg Sufenta

      Perfusorspritze:

  • 20 ml Ropivacain  0,2% (= 2 Amp. zu je 10 ml)
    +   4 ml Sufenta mite (20 µg) = 2 Amp. Sufentanil epidural
    + 16 ml NaCl 0,9 % = gesamt 40 ml Ropivacain 0,1 % + Sufenta 0,50 µg/ml
  • Einstellung der PCEA - Pumpe: Bolus 4 ml Ropivacain 0,2 %, Sperrintervall 15 min, KEINE kontinuierliche Laufrate

  • bei nachfolgender Sectio caesarea sofortiges Aufspritzen mit 10 ml Ropivacain 0,75%, nach 10 min Nachspritzen von 2 - 8 ml Ropivacain 0,75% (ohne Sufentanil). Schnitt möglich nach ca. 20 min.
  • bei Hypotonie Noradrenalin
  • Alarmieren des Anästhesisten durch die Hebamme bei:
    - Schmerzstärke VAS > 4
    - zunehmender Müdigkeit
    - auffallend tiefen und langsamen Atemzügen
    - Herzfrequenz < 50/min
    - systolischer Blutdruck < 100 mmHg systolisch
    - Übelkeit
    - Verwirrtheit
    - Metallgeschmack
    - sonstigen atypischen Symptomen
  • Vorgehen bei  Sectio caesarea in PDA:
    - angestrebtes Analgesieniveau: Th 4
    - PDK-Anlage lt. Standard
    - titrierte Gabe von 3 - 5 ml Ropivacain 0,75% alle 3 - 5 min, Gesamtdosis meist 10 – 14 ml (im Ausnahmefall bis 20 ml z.B extrem große Patientin ) plus 10-20 µg Sufentanil (Maximaldosis Sufentanil epidural 30 µg)
    - p.o. wird Katheter bis 1. p.o. Tag belassen, bei Bedarf werden 10 ml Ropivacain 0,2% durch einen  Anästhesisten appliziert.

6.2 Spinalanästhesie zur Sectio caesarea  

  • Indikation
    - 1. Wahl bei geplanter und dringender Sectio
    - bei Placenta praevia Möglichkeit der Regionalanästhesie mit Operateur besprechen (bei ventraler Insertion der Plazenta muss ggf. die Sectio transplazentar erfolgen, was zu hohen Blutverlusten führen kann!)
  • Vorbereitung durch die Hebammen:
    - venöser Zugang ≥ 18 G  linker Arm
    - (Co-)Priming mit 1000 ml Jonosteril 1/1
    - Antibiotikaprophylaxe mit 1,5 g Cefuroxim i.v.
  • Durchführung
    -
    Standardmonitoring
    - Vasopressor (Noradrenalin und Adrenalin) vorbereitet
    - Kanüle: 27 G Pencilpoint mit Führungskanüle
    - Dosierung: 2 ml Bupivacain 0,5 % hyperbar + 5 µg Sufentanil
    - Patientin sitzt auf dem Op-Tisch mit Blickrichtung Fußende, Beine beidseits hängend
    - sofort nach Injektion Patientin auf den Rücken legen, leichte Linksseiten- und Trendelenburglagerung
    - RR und HF zunächst in 2 min-Abständen kontrollieren
    - nach Abnabeln des Kindes PONV-Prophylaxe mit 4 mg Dexamethason und 4 mg Ondansetron
    - bei RR-Abfall sofort Vasopressor (Noradrenalin bei Tachykardie, Adrenalin bei Bradykardie); Ziel: RR auf Ausgangsniveau halten
    - nach unkomplizierter Spinal- oder Periduralanästhesie verbleiben die Frauen im Kreißsaal; ein postoperatives Überwachen ist in der Regel nicht erforderlich


7.   Allgemeinanästhesie zur Sectio caesarea

  • Indikation
  • Notsectio
  • Kontraindikationen für die Regionalanästhesie
  • Ablehnung der Regionalanästhesie durch die Mutter
  • Regionalanästhesie unzureichend

Vorbereitung

  • Monitoring: Standard, bei Notsectio zur Einleitung ggf. nur Pulsoxymetrie
  • venöser Zugang ≥ 18 G links
  • Antitrendelenburgposition, 15° Linksseitenlagerung
  • OP-Team steht am Tisch, OP-Gebiet ist desinfiziert und abgedeckt

Durchführung

  • RSI
  • Präoxygenieren bei hohem Frischgasfluss (10 l/min), Notsectio 4 - 6 maximal tiefe Atemzüge.
  • S-Ketamin 0,25 - 0,5 mg/kg, bei RR syst. > 160 mmHg (Präeklampsie / Eklampsie) 10 µg Sufentanil. Pädiater über Opiatgabe informieren
  • Thiopental 3 - 5 mg/kg aktuelles KG
  • Succinylcholin 1 - 1,5 mg/kg
  • ggf. Nachrelaxation mit Atracurium in reduzierter Dosis
  • Achtung weitere Dosisreduktion bei gleichzeitiger Magnesiumtherapie
  • bei nicht möglicher Intubation Maskenbeatmung oder Larynxmaske (Oxygenierung geht vor Intubation)
  • Normoventilation! (Plazentadurchblutung
  • bis zur Uterotomie:
  • FiO2 1,0
  • kein Inhalationsanästhetikum

nach Abnabeln des Kindes TIVA mit Sufentanil und Propofol FiO2 0,8 Nach Abnabeln des Kindes werden 3 IE Oxytocin auf 50 ml NaCl 0,9% verdünnt und rasch infundiert. Extubation erst nach vollständiger Rückkehr der Schutzreflexe postoperatives Überwachen im Aufwachraum oder Kreissaal


8.   Umgang mit Uterotonika

  • Indikationen
    • Aktive Leitung der Nachgeburtsperiode
    • Atone Uterusblutung
    • Die Indikation für die Gabe von Uterotonika stellt der Gynäkologe/ Geburtshelfer.
  • Kontraindikationen (Aus den Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.)
    • Oxytocin (Warnhinweis):
      • Dosisabhängige hämodynamische Wirkung von Oxytocin, insbesondere bei Bolusgabe deutlich ausgeprägter als bei Kurzinfusion (z.B. 5 IE über 5 min)
      • infolge vasodilatatorischer Wirkung: Reflextachykardie, Erhöhung des Herzminutenvolumens, vorübergehender Abfall des arteriellen Blutdrucks.
    • Methylergometrin:
      • Bluthochdruck, postpartal nach Präeklampsie/Eklampsie, ischämische Gefäßerkrankungen, schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Sepsis.
  • Anmerkung: Zunehmende Zahl von Berichten über schwere mütterliche Komplikationen, z.B. Koronarspasmen, Herzrhythmusstörungen, Myokardinfarkte mit Todesfällen, zerebrale Angiopathie.
  • Verabreichung:
    Alle Uterotonika dürfen nur verdünnt als Kurzinfusion oder sehr langsam appliziert werden.
    • Oxytocin:
      • Zur aktiven Leitung der Nachgeburtsperiode werden 3 IE Oxytocin sehr langsam verabreicht.
      • Sehr langsam heißt:
      • Es werden 3 IE Oxytocin in 50 ml NaCl gegeben.und diese wird nach Abnabelung des Kindes in Rücksprache des Operateur infundiert. Um eine sofortige Infusion zu ermöglichen, wird nach Einleitung der Patientin eine Lösung mit 3 IE Oxytocin in 50 ml NaCl 0,9% hergestellt.
      • Weitere Oxytocingaben werden nur als Infusionen über einen Infusomaten verabreicht.
    • Methylergometrin:
      • Es werden 100 µg Methylergometrin (entsprechen ½ Ampulle) auf 10 ml NaCl aufgezogen und diese über 3-5 min appliziert.
      • Repetitionsdosen von Methylergometrin sollen möglichst vermieden werden und bedürfen immer einer erneuten klaren Indikationsstellung.
      • Für die Gabe von Methylergometrin hat der Gynäkologe die vitale Indikation bei Uterusatonie zu stellen, die auf dem Anästhesieprotokoll vermerkt wird.


9.   Schmerztherapie nach Sectio caesarea

  • nach SPA/PDA
    - Ibuprofen 4 x tgl. 600 mg oral
    - Paracetamol 4 x tgl. 1 g intravenös
    - bei Schmerzspitzen 10 mg Morphin oral alle 4 - 6 h für 2 Tage

Achtung: Morphin per os kann erst 24 h nach intrathekaler/ epiduraler Gabe von Opiaten gegeben werden. Morphin per os 10 mg kann 4-6 mal täglich verabreicht werden.  Eine Repetitionsgabe ist nach 2 h möglich.

  • nach ITN
    - Ibuprofen 4 x tgl. 600 mg oral
    - Paracetamol 4 x tgl. 1 g intravenös
    - bei Schmerzspitzen 10 mg Morphin oral alle 4 - 6 h für 2 Tage
     
  • im Kreissaal/AWR
    - unter Pulsoximetrie Morphin 3 – 5 mg i.v. applizieren bis VAS ≤ 3 

Durch die Gabe von Morphin intrathekal im Rahmen der Spinalanästhesie soll eine postoperative Analgesie von 10 -20 h erreicht werden.

  • bei liegendem PDK
    - vor Verlegung aus dem Kreißsaal werden 2 mg Morphin via PDK verabreicht, der PDK wird belassen
    - bei Schmerzspitzen werden 10 ml Ropivacain 0,2 % via PDK verabreicht
    - Entfernen des PDK nach Rücksprache mit Patientin am 1. oder 2. p.o. Tag

Nicht stillende Frauen erhalten Oxycodon lt. Körpergewicht 2x tgl. und 4x 600 mg Ibuprofen.


10. Anästhesie auf dem Kreißsaal

  • Rapid Sequence Induction lt. Standard

  • Medikamente: Propofol/ Succinylcholin/ S-Ketamin/ Sevofluran (< 1 MAC)


11. In der Stillzeit geeignete Medikamente

  • Auf die routinemäßige Prämedikation mit Midazolam sollte verzichtet werden.
  • Propofol, Sufentanil, Remifentanil, Atracurium, Mivacurium und volatile Anästhetika können eingesetzt werden.
  • Dexamethason und Einzelgabe von Ondansetron möglich
  • p.o. Schmerztherapie mit MSI, Morphin per os und Ibuprofen, Einzeldosen von Metamizol möglich
  • Lokalanästhetika unbedenklich (keine orale Resorption).

Nach Empfehlungen des Pharmakovigilanz– und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie und aktuellen Literaturangaben sind Stillpausen nicht mehr erforderlich (AINS 2011; 46 : 304-311 Ist eine Stillpause obligat. Kranke P. et al.). Bei Wunsch der Mutter kann dann, wenn sie wach genug und körperlich in der Lage ist, beim gesunden und reifen Säugling das Stillen wieder aufgenommen werden. Im Aufklärungsgespräch sollte jedoch ein kurzer Hinweis darauf notiert werden, dass es sich trotz Off-Label-Use nach aktuellem Kenntnisstand um verträgliche Medikamente handelt. Sehr gute Hinweise zum Einsatz anderer Medikamente findet man auf www.embryotox.de

SOP Kopfdaten

Version
4
Gültigkeit
01. Aug. 2016
Alle anzeigen: HK Erfurt
Bereich
Ärzte
Autor/en
Dr. Ursula Einicke, Steffen Adam

Changelog

01.10.2002 SOP erstellt (Dr. Ursula Einicke, Steffen Adam)
01.10.2004 SOP überarbeitet (Dr. Torsten Meinig, Steffen Adam)
01.10.2006 SOP überarbeitet (Dr. Torsten Meinig, Dr. Steffen Adam)
01.10.2008 SOP überarbeitet (Dr. Peter Brand, Dr. Steffen Adam)
01.08.2010 SOP überarbeitet (Dr. Peter Brand, Dr. Steffen Adam)
01.08.2012 SOP überarbeitet (Dr. Friederike Reichstein)
01.08.2014 SOP überarbeitet (Dr. Peter Brand)
21.09.2015: SOP überarbeitet (Dr. Christian Icke)

Quellen

Quelle: Anästh Intensivmed 2007;48:S109-S124

Kranke P. et al. 2011. Ist eine Stillpause obligat? AINS; 46 : 304-311