MRT Hot

Dr. Christian Icke  
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In den MR-Räumen dürfen nur Mitarbeiter unserer Klinik arbeiten, die an einer MR-Sicherheitsbelehrung im Rahmen der Geräteeinweisung teilgenommen haben. In jedem Falle ist eine kurze, einseitige Basissicherheitsbelehrung zur Kenntnis zu nehmen und zu unterschreiben. Der Text ist im Folgenden wiedergegeben:

„In der Kernspintomographie werden Schnittbilder des menschlichen Körpers mit Hilfe eines sehr starken Magnetfeldes und von Hochfrequenzimpulsen erzeugt. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch stellt eine Kernspintomographieanlage weder für den Patienten noch für das Personal eine Gefahr dar.“ Damit dies so bleibt, müssen bestimmte Sicherheitsregeln eingehalten werden, die im Folgenden erläutert werden.


Gefahren durch das Magnetfeld

Das Magnetfeld der Kernspintomographen übt auf ferromagnetische Gegenstände wie Eisen oder Nickel eine 20.000fach größere Kraft als das Erdmagnetfeld aus. Dieses Magnetfeld besteht auch nach Abschalten der Anlage fort, die Wirkung ist also ständig vorhanden. Die Kraft des Magnetfeldes wächst dabei mit der Masse des Gegenstandes, der sich im Magnetfeld befindet; größere bzw. schwerere Teile werden demzufolge stärker angezogen als kleinere. Wird ein bestimmter Mindestabstand vom Magnetfeld unterschritten, so entfaltet es seine ganze Anziehungskraft auf den betroffenen Gegenstand, der damit den Charakter eines Projektiles erhält. Damit verbindet sich eine erheblich Verletzungsgefahr sowohl für den Patienten als auch für das Personal.

Aus diesem Grunde ist das Einbringen von Objekten, die aus ferromagnetischen Stoffen jeglicher Art bestehen (Schlüsselbund, Telefone, Uhren, Blutdruckmeßgeräte, Beatmungsgeräte, Sauerstofflaschen etc.) in den Untersuchungsraum strengstens verboten.

Alle Gegenstände, die nicht eindeutig als nicht ferromagnetisch eingestuft werden können, müssen zunächst durch das Personal der Kernspintomographie-Abteilung freigegeben werden. Metallische Gegenstände aus speziellen, nichtferromagnetischen Legierungen, die zum Bestand der Abteilung gehören, wie Infusionsständer, Feuerlöscher etc., sind entsprechend gekennzeichnet und somit für den Betrieb im Untersuchungsraum freigegeben.


Gefahren durch das Hochfrequenzfeld

Hochfrequenzwellen erwärmen Gewebe jeglicher Art (vgl. Mikrowellenherd). Aus diesem Grund werden im Kernspintomographen die Impulse derart kurz gehalten, daß es zu keiner nennenswerten Erwärmung innerhalb des menschlichen Körpers kommen kann.

Im Kernspintomographen wirkt jedes Kabel und jeder andere elektrische Leiter wie eine. Wie viel Hochfrequenz an der Antenne empfangen wird, hängt von Lage, Länge und Form der Antenne ab. Im Extremfall kann der elektrische Leiter sich erhitzen und zu Verbrennungen beim Patienten führen.

Aus diesem Grunde muß die Lage aller EKG-Kabel oder anderer Meßkabel vor Beginn der Untersuchung durch das Personal der MR-Abteilung kontrolliert werden. Ringstrukturen sind strikt zu vermeiden.“


Anästhesiekonzepte für MRT-Untersuchungen

  • Die Anästhesie kann – je nach Zustand des Patienten und diagnostischer Fragestellung - als Intubationsnarkose mit kontrollierter Beatmung oder in Spontanatmung (Inhalationsanästhesie) durchgeführt werden. Ebenso sind (Propofol-) i.v.-Narkosen mit Hilfe konnektierter Perfusorleitungen möglich, wobei die Repetititionsdosen sich nach klinischen Gesichtspunkten richten: Spontanatmung erhalten!
    ACHTUNG: Kontrastmittelinjektionen nur patientennah am Dreiwegehahn, da sonst die im Schlauchsystem befindlichen Narkotikamengen bolusartig in den Patienten befördert werden. Bei Säuglingen besteht dadurch die Gefahr der Atemdepression.
  • Die Narkoseein- und -ausleitung erfolgen in einem Vorbereitungsraum.
  • Die Anästhesieeinheit im MR-Raum steht seitlich oder am Ende der Untersuchungsröhre mit einem Mindestabstand von einem Meter. Dem Anästhesisten sollte es dabei jederzeit möglich sein, den Kopf des Patienten zu erreichen.
  • Durch das Aufstellen der Anästhesieeinheit am Ende der Untersuchungsröhre wird die Länge der erforderlichen Schlauchverbindung zwischen Patient und Beatmungsteil auf das notwendige Minimum reduziert.
  • Der Anästhesist hat seinen Patienten sowie Narkose- und Überwachungsgeräte ständig im Blickfeld

Anästhesieeinheiten

Die Geräte sind auf einem aus Aluminiumvierkantrohren konstruierten Wagen befestigt, der auf arretierbaren Rollen steht. Die Zuleitung der medizinischen Gase erfolgt über hochfrequenzfeste Gasanschlußdosen, die in der Hochfrequenzkabine integriert sind und von der zentralen Gasversorgung gespeist werden. Folgende Geräte sind montiert:

  • MEDRAD Veris MR Vital Signs Monitorsystem: hämodynamisches Monitoring
  • PM 8050: Atemwegsmonitoring
  • Aestheva MR (GE): modifiziert (MR-tauglich)

Praktisches Vorgehen

  • Bei Kleinkindern mit schwierigen Venenverhältnissen sollte der Zugang nach Möglichkeit schon auf der Station vor Transport zum MR gelegt werden
  • Narkoseeinleitung in einem Vorraum, der mit den üblichen Überwachungsgeräten sowie der Reanimationsausrüstung (unter dem Medikamentenkühlschrank befindlich) ausgestattet ist.
  • Vor dem Transport in den MR-Raum muß der Patient ferromagnetische Gegenstände ablegen
  • Anschluß des Patienten an die Anästhesie-/ Überwachungseinheit im MR-Raum. Das Narkosegerät wird dazu rechts neben der Untersuchungsröhrenöffnung aufgestellt; ggf. für bestimmte Untersuchungen auch Position dahinter.
  • Aufrechterhalten der Narkose in der Regel als Inhalationsanästhesie (ITN – verlängerte Beatmungsschläuche!) oder i.v.-Narkose in Spontanatmung. Spritzenpumpen dürfen nicht mit in den MR-Raum genommen werden (v.a. bei neueren Modellen sind Funktionsstörungen möglich). Für i.v.-Narkosen müssen längere Verbindungsleitungen hergestellt werden; meist genügen zwei konnektierte Perfusorleitungen.
  • Spontanatmung und kontrollierte Beatmung über das Kreisteil sind möglich, wobei aus Sicherheitserwägungen heraus der Einsatz von Muskelrelaxanzien möglichst vermieden wird. Für eine eventuell erforderliche (Re-) Intubation befindet sich das entsprechende Zubehör im Schrank an der Stirnseite des Untersuchungsraumes.
  • Alle elektrischen Kabel, vor allem EKG, müssen in gerader Linie parallel zum Patienten zum Fußende geführt werden. Es dürfen keine Schlingen gebildet werden; sie wirken wie Induktionsspulen!
  • Nach Untersuchungsende wird der Patient wieder in den Nebenraum gebracht und die Narkose ausgeleitet.
  • Die Behandlung von Zwischenfällen muß ebenfalls in diesem Nebenraum erfolgen. Im Notfall ist es sicherer, den Patienten schnell hierhin zu bringen, als mit dem Reanimationszubehör in die Nähe des Magneten zu kommen.

Checkliste Anästhesie im MRT

Nach Betreten des NMR’s im Vorbereitungsraum alle ferromagnetische oder durch den Magneten zerstörbare Gegenstände ablegen (Schlüssel, Geld, EC-Karte, Uhr, Stethoskop, Schere etc.)

  • Nicht magnetisierbare Stethoskope stehen im Vorbereitungsraum zur Verfügung.
  • Anschluß und Überprüfen des Narkosegerätes im NMR-Untersuchungsraum: der Titus ist meist für den Kinderbetrieb umgebaut. Vorbereiten langer Schläuche (ca. 3 m Länge) aus Endlosmaterial (Vorratsschrank) oder mehreren Schlauchsystemen. Die Konnektoren hierfür befinden sich im Narkosegerät und im Vorratsschrank.
  • Lagern des Patienten auf eine nicht magnetisierbare Trage (steht außerhalb des NMR’s in der Nähe der Tür).
  • Vor Einschleusen des Patienten in den NMR-Bereich und der Narkoseeinleitung muß geklärt werden, inwieweit der Patient über ferromagnetische Implantate verfügt. Schrittmacherpatienten dürfen wegen möglicher Zerstörung oder Dysfunktion des Schrittmachers den NMR-Bereich nicht betreten.
  • Einleiten der Narkose im Vorbereitungsraum (Ambubeutel zur Handbeatmung bereithalten, tragbares Pulsoximeter ). Der Tubus sollte im Falle einer ITN keine Metallteile enthalten. ACHTUNG: Woodbridge, Tracheoflex (metallose Alternativen auf den Intensivstationen bzw. HNO-OP), Cuffventile. Nach Möglichkeit sollte eine i.v.- oder Inhalationsnarkose ohne Opiate und depolarisierende Muskelrelaxanzien in Spontanatmung bevorzugt werden.
  • Bei zu erwartenden Intubationsschwierigkeiten erfolgt die Narkoseinduktion mit den entsprechenden Hilfsmitteln im OP-Saal, da die Ausrüstung des Arbeitsplatzes im MRT für solche Situationen nicht geeignet ist.
  • Anbau einer Verlängerung am venösen Zugang (Filter in Infusionsleitungen - wie z.B. in der Kinderklinik gebräuchlich - müssen entfernt werden, da das Kontrastmittel Gadolinum dort zurückbleibt) und Entfernen von EKG-Kabeln und Klebeelektroden; Transport des Patienten in den Meßraum. Pflaster muß außerhalb des Meßraumes zugeschnitten werden, da die Benutzung von Scheren im Meßraum zu gefährlich ist. Ansonsten steht zum Fixieren Leukosilk auf Kunststoffrollen zur Verfügung.
  • Anschluß des Patienten: ein nicht magnetisierbares Stethoskop zur Auskultation befindet sich im Vorbereitungsraum. Das EKG wird durch die MTA’s angebracht. Alle leitenden Kabel sollten in Längsrichtung ohne Überkreuzung und Schleifenbildung aus dem Magnetfeld herausgeführt werden, um die Ableitung von Hochfrequenzstrahlung und Induktionsströmen zu vermeiden. Die Pulsoximetrie verfügt über ein Lichtleiterkabel und ist somit nicht leitend (ACHTUNG: Faserbrüche durch Knickung).
  • Perfusoren neuerer Bauart sollten im Meßraum nicht benutzt werden.
Bei jedem Notfall wird der Patient in Abstimmung mit den Radiologen schnellstmöglich aus der Untersuchungsröhre herausgefahren und in den Vorbereitungsraum gebracht, wo die Reanimationsutensilien zur Verfügung stehen. Zum erweiterten Monitoring und kontrollierter Beatmung kann das Narkosegerät im Vorbereitungsraum angeschlossen werden.

SOP Kopfdaten

Version
2
Gültigkeit
03. Nov. 2017
Alle anzeigen: HK Erfurt
Bereich
Ärzte
Autor/en
Dr. Peter Brand

Changelog

01.05.2011: SOP neu erstellt
03.11.2015: SOP überarbeitet