Myoglobinämie

Dr. Christian Icke  
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  • Die untenstehenden Maßnahmen sollten begonnen werde bei einer Myoglobinämie > 1000 µg/l. Nach Einleiten der Therapie sollte eine erste Kontrolle nach 12 h erfolgen. 
  • Ziel ist eine Diurese von mehr als 1 ml/kg KG/h.
  • Die erste Maßnahme ist immer die adäquate Gabe von Flüssigkeit. In der Regel wird eine Vollelektrolytlösung verwendet außer bei einer Ausnahme: Hyperkaliämie. Hier kann ein Teil der Flüssigkeit als NaCl 0,9% gegeben werden. Das Ziel ist Initiieren einer forcierte Diurese, d.h. je nach Funktion von Herz-, Lungen-, Nieren- und Elektrolytstatus können (bei Gesunden!!) fraktioniert bei Notwendigkeit bis zu 10 l/d Flüssigkeit zugeführt werden. Hauptaugenmerk liegt auf der Ausscheidung! Bleibt sie erhalten und lässt sich der Patient darüber bilanzieren, wird auch bei steigendem Myoglobin die Flüssigkeitssubstitution fortgeführt.
  • Bei Unsicherheit, ob eine weitere Flüssigkeitsgabe kardial toleriert wird: Ein Anstieg der ScvOunter Volumengabe spricht für eine stattgehabte Erhöhung des Herzzeitvolumens (HZV) und damit für eine Volumentoleranz. Ggf. Echokardiographie oder Monitoringerweiterung (PiCCO-System).
  • Falls die Flüssigkeitsgabe allein nicht zum gewünschten Effekt führt, sollte das Vorliegen eines sehr niedrigen HZV (Herzindex < 3l/m2) und damit einer eingeschränkten renalen Perfusion ausgeschlossen werden. Da in der Regel eine direkte Messung des HZV nicht möglich ist, kann die ScvO2 orientierend benutzt werden. Eine ScvO2 < 60% rechtfertigt den Versuch, mittels Dobutamin (5 - 15 µg/kg/min) eine HZV-Steigerung zu bewirken. Ein Verabreichen von Dobutamin muss zu einer Erhöhung des HZV (bzw. der ScvO2) führen und letztendlich auch zu einer Erhöhung der Diurese. Ist dies nicht der Fall und/oder führt die Gabe von Dobutamin zu einer Erhöhung der Herzfrequenz von mehr als 20% der Ausgangsherzfrequenz, ist der Versuch abzubrechen.
  • Führen beide oben genannten Maßnahmen innerhalb von 3 h nicht zu einer Diurese > 1 ml/kg KG/h, erfolgt ein Therapieversuch mit Furosemid (Perfusor mit 500 mg/50ml mit 2,1 ml/min laufen lassen). Führt diese Maßnahme nach 2 h nicht zum erwünschten Effekt, ist umgehend der diensthabende Nephrologe zu rufen (Planung einer CVVH, Anlage eines doppellumigen Katheters).

 

Achtung: 

Bei Myoglobinerhöhungen im Rahmen einer Reperfusion, z.B. bei Revaskularisation einer schweren Ischämie (z.B. Leriche-Syndrom), ist eine engmaschige Kaliumkontrolle sehr wichtig. Anfangs sollte Kalium stündliche kontrolliert werden. Bei stabilen Kaliumwerten kann das Intervall verlängert werden. Schon bei Kaliumwerten > 5 mmol/l sollte Calcium-Polystyrol-Sulfonat (CPS-Pulver) verabreicht werden. Falls der Kaliumwert über 5,5 mmol/l steigt, muss eine Rücksprache mit dem diensthabenden Nephrologen erfolgen, da ggf. eine frühzeitige CVVH indiziert ist.

SOP Kopfdaten

Version
1
Gültigkeit
01. Sep. 2015
Alle anzeigen: HK Erfurt
Bereich
Ärzte
Autor/en
Prof. Dr. Andreas Meier-Hellmann, Dr. Ulrich-Paul Hinkel, PD Dr. Hendrik Bergert