Orthopädie Hot

Dr. Christian Icke  
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1. Vorbemerkungen
2. Katheterroutine
3. Operationen an der oberen Extremität
4. Operationen an der unteren Extremität


 

1. Vorbemerkungen

  • Erster Hautschnitt = 8:15 Uhr
  • Operateure mind. 15 min vor OP-Beginn anrufen 
  • frühzeitiges Bestellen der Patienten (Transfer benötigt von Station in den ZOP zwischen 20 und 60 min!), damit ausreichend Zeit für Regionalanästhesie-Verfahren besteht und Wechselzeit (Naht-Schnitt: 50 min) eingehalten wird
  • morgendliches Briefing mit Spangen-OA, AN-Schwestern und OP-Schwestern zur Tagesplanung/ Pausenorganisation entlang des OP-Programms, engmaschige Kommunikation bei OP-Planänderungen
  • Anwenden adäquater regionalanästhesiologischer Verfahren, vorzugsweise mit Hilfe Nervenstimulation (Ausnahmen: Skalenusblockade und axilläre Blockade des Plexus brachialis = unter Ultraschallkontrolle) und unter Einhalten der Wechselzeit: die präoperative Regionalanästhesie darf kein Grund für eine Verzögerung im OP-Ablauf sein! Ggf. kann eine Regionalanästhesie zur Schmerztherapie auch postoperativ durchgeführt werden – Absprache mit dem Spangen-OA!
  • Wenn nicht ausdrücklich vom Operateur auf dem OP-Plan vermerkt, werden die Standard-Regionalanästhesieverfahren unter Berücksichtigung der spezifischen Kontraindikationen durchgeführt. 
  • Bei postoperativ geplanter Gipsimmobilisation mittels zirkulären Gipsverbandes ist eine Regionalanästhesie in der Regel kontraindiziert (Absprache mit Operateur).
  • Die mit einem regionalanästhesiologischen Verfahren versorgten Extremitäten müssen im AWR und auf Station durch ein Kissen oder eine sichere Fixation am Patienten vor Lagerungsschäden gesichert werden. Die Patienten sind vor Verlegen aus dem AWR erneut über die Blockade der Extremität und (bei Blockaden für die unteren Extremitäten) über die Notwendigkeit einer Hilfsperson bei Mobilisierung vor Abklingen der Blockade aufzuklären (Schild ans Bett! Übergabe!) / Aufklärungspflicht über Sturzgefahr bei Regionalanästhesie im Prämedikationsgespräch.
  • Eine routinemäßige Prämedikation entfällt. Lediglich Patienten ohne geplantes RA-Verfahren erhalten eine präemptive Analgesie.
  • Beachten des Wärmemanagements (Decken, BairHugger®, Temperaturmessung unter Allgemeinanästhesiebedingungen) ab Übernahme des Patienten in den Einleitungsraum
  • Als Patientenunterlage soll eine Decke statt Vlies verwendet werden, um die Lagerung des anästhesierten Patienten zu erleichtern.
  • Wenn eine präoperative Antibiotika-Prophylaxe (PAP) indiziert ist, dann wird diese bereits VOR der geplanten Anästhesie appliziert (Abstand PAP - Hautschnitt bzw. Anlage einer Blutsperre: 30 - 60 min). Falls es eine Indikation zum Wiederholen der PAP gibt, erfolgt diese auf Entscheidung und Ansage des Operateurs nach 2 h lt. OA Babisch. Hinweis Kreuzreaktion: bei Penicillinallergie mit Exanthembildung auf Penicilline sind Cephalosporine möglich, bei schwersten Reaktionen auf Penicilline (Anaphylaxie) sollten Cephalosporine vermieden werden: hier wird Clindamycin 600 mg i.v. verwendet.
  • Bei Notwendigkeit einer Blutleere/ Blutsperre erfolgt die Vorbereitung hierfür noch im Einleitungsraum (Anlegen einer Schlauchbinde + Blutsperrenmanschette).
  • Endoprothetik-Patienten werden unmittelbar postoperativ im OP-Saal einer Röntgen-Kontrolle unterzogen (Anmeldung/ Organisation obliegt den Operateuren/ OP-Pflege). Dazu müssen die Patienten kooperativ sein, um die Aufnahmequalität zu gewährleisten.
  • peinlich genaues Beachten der Hygienevorschriften, insbesondere in der Endoprothetik: z.B. 
    • Reduktion der Öffnung der OP-Saaltüren auf ein Minimum, vorzugsweise Klappmechanismus statt Automatik nutzen
    • Kontrolle des korrekten Sitzes von OP-Kopfhaube und Mundschutz
    • verschmutzte Patienten-OP-Hemden entsorgen bzw. gegen frische austauschen
  • Planung postop. INT: ORT besitzt Montag und Freitag je 1 festen Platz im INT-Bettenplaner
  • Bei Endoprothetik-Patienten ist - aus Gründen der für die ORT verpflichtenden Dokumentation an die Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS) - der ASA-Score zu erheben und auf dem Anamnesebogen der ORT zu dokumentieren.

 

2. Katheterroutine

  • AWR-Pflegepersonal überträgt Patientenname auf Tafel im AWR
  • Schmerzdienst informiert sich an Tafel
  • für außerhalb des ZOP platzierte Schmerzkatheter ist für den Übertrag auf die Tafel der/die legende Anästhesist/in verantwortlich 
OP-Tag
  • Ropivacain 0,375 %, 4 - 10 ml/h kontinuierlich bis zum 1. postoperativen Morgen (tel. Anmeldung aus OP-Saal und Anschluss unmittelbar nach Übergabe im AWR)
  • Hinweis: Unfallgefahr bei Mobilisation
ab 1. postoperativer Tag
  • 10 ml Bolus Ropivacain 0,375 % bis zu 3 x tgl.
ab 2. postoperativer Tag
  • Katheter wird morgens nach dem Bestücken gezogen
  • in Ausnahmen (Kommunikation mit Operateur) individuell längere/ kürzere Liegedauer möglich

 

3. Operationen an den oberen Extremitäten

Schulter-ASK (OP-Risikoscore 2)
Anästhesie:
  • ITN mit Tubusverlängerung und Skalenus-Blockade
  • Flexüle/n auf der Gegenseite
Lagerung:
  • Normaltisch, Beach Chair
  • Gurt, kein Bügel, Knierolle, Augenschutz
postoperative Therapie: 
  • bei Bedarf Morphin (Capros akut®)10 mg
Schulterprothese (OP-Risikoscore 2)
Anästhesie:
  • ITN und Skalenus-Katheter (nach oben kleben)
  • Flexülen auf der Gegenseite
PAP:
  • 1,5 g Cefuroxim i.v. single shot
Lagerung:
  • Normaltisch
  • Rückenlagerung mit erhöhtem Oberkörper (beach chair)
  • Gurt, kein Bügel, Knierolle, Augenschutz
postoperative Therapie: 
Schultermobilisation (OP-Risikoscore 2)
Anästhesie:
  • Skalenuskatheter/ Maskennarkose
  • Flexüle auf der Gegenseite
  • Durchführung in der Regel im Einleitungsraum
Lagerung:
  • Rückenlage auf Normaltisch
postoperative Therapie: 
  • Katheterbestückung auf Station: 8stdl. 10 ml Ropivacain 0,375%
Handoperationen (OP-Risikoscore 2)
Anästhesie:
  • LSIP
  • bei Kontraindikationen für LSIP axilläre Plexusblockade unter Ultraschallkontrolle
  • Flexüle auf Gegenseite
PAP:
  • 1,5 g Cefuroxim i.v. single shot
Lagerung:
  • Rückenlage auf Normaltisch + Armtisch
postoperative Therapie: 
  • bei Bedarf Morphin (Capros akut®)10 mg

 

4. Operationen an der unteren Extremität

Hüft-TEP (OP-Risikoscore: 3)
Anästhesie:
  • PKB + ITN
  • SpA bei ausdrücklichem Patientenwunsch (dann ohne zusätzlichen PKB!)
  • Flexülen und RR-Messung auf Gegenseite
  • Flexüle für Noradrenalin am Handrücken des ipsilateralen Armes möglich
PAP:
  • 1,5 g Cefuroxim i.v. single shot
  • ggf. zweite AB-Dosis bei OP-Zeit > 2 h/ Blutverlust > 1 l/ großem Weichteilschaden (intraoperative Ansage vom Operateur)
  • kein Cefuroxim bei bekanntem MRSA-Träger, hier: Vancomycin 1 g i.v.
Lagerung:
  • Rückenlage auf Normaltisch
  • ipsilateraler Arm hochgelagert (Bügel)
Prämedikation:
  • keine
  • Ausnahme: Kontraindikation für PKB ⇒ dann 20 mg (ab 70. Lj.: 10 mg) Oxycodon p.o.
postoperative Therapie:  
  • bei Bedarf Morphin (Capros akut®) 10 mg p. o.
  • bei Kontraindikation bzw. begründetem Verzicht für PKB ⇒ 20 mg (ab 70. Lj.: 10 mg) Oxycodon p.o. 12stdl. weiter
  • Patienten verbleiben mind. 2 Std. im AWR
 
Hüft-TEP-Wechsel (OP-Risikoscore: 3)
Anästhesie:
  • PKB mit ITN
  • Flexülen und RR-Messung auf Gegenseite
  • ggf. invasive RR-Messung ab perioperativem Risikoscore > 6
  • Flexüle für Noradrenalin am Handrücken des ipsilateralen Armes möglich
  • HbK nur, wenn OP-Zeit > 3 h; Entfernen im AWR!
PAP:
  • 1,5 g Cefuroxim i.v. erst nach intraoperativem Abstrich/ Absprache mit Operateur
  • ggf. zweite AB-Dosis bei OP-Zeit > 2 h/ Blutverlust > 1 l/ großem Weichteilschaden (intraoperative Ansage vom Operateur)
  • kein Cefuroxim bei bekanntem MRSA-Träger, hier: Vancomycin 1 g i.v.
Lagerung:
  • Seitlagerung auf Normaltisch
Prämedikation:
  • keine
  • Ausnahme: Kontraindikation für PKB ⇒ dann 20 mg (ab 70. Lj.: 10 mg) Oxycodon p.o.
postoperative Therapie: 
  • bei Bedarf Morphin (Capros akut®) 10 mg p. o.
  • bei Kontraindikation bzw. begründetem Verzicht für PKB ⇒ 20 mg (ab 70. Lj.: 10 mg) Oxycodon p.o. 12stdl. weiter
  • postop. IMC
 
Knie-TEP (OP-Risikoscore: 3)
Anästhesie:
  • Pat. < 75 J. ⇒ SpA oder alternativ LM/ITN + FK + AIB
  • Pat. ≥ 75 J. oder ab Risikoscore > 6 ⇒ PKK + PIB
PAP:
  • 1,5 g Cefuroxim i.v. single shot
  • ggf. zweite AB-Dosis bei OP-Zeit > 2 h/ Blutverlust > 1 l/ großem Weichteilschaden (intraoperative Ansage vom Operateur)
  • kein Cefuroxim bei bekanntem MRSA-Träger, hier: Vancomycin 1 g i.v
Lagerung:
  • Rückenlage auf Normaltisch
  • beide Arme ausgelagert
  • Blutsperre (so weit wie möglich proximal)
postoperative Therapie:   
Knie-TEP-Wechsel (OP-Risikoscore: 3)
Anästhesie:
  • LM/ITN + FK + AIB
PAP:
  • 1,5 g Cefuroxim i.v. erst nach intraoperativem Abstrich/ Absprache mit Operateur
  • ggf. zweite AB-Dosis bei OP-Zeit > 2 h/ Blutverlust > 1 l/ großem Weichteilschaden (intraoperative Ansage vom Operateur)
  • kein Cefuroxim bei bekanntem MRSA-Träger, hier: Vancomycin 1 g i.v.
Lagerung:
  • Rückenlage auf Normaltisch
  • beide Arme ausgelagert
  • Blutsperre (so weit wie möglich proximal)
postoperative Therapie:   
Kniegelenks-ASK, OP nach Madigan, Kreuzbandplastik (OP-Risikoscore: 2)
Anästhesie:
  • LM + FB
  • bei Kreuzbandplastik LM + FK + AIB
Lagerung:
  • Rückenlage auf Normaltisch
  • beide Arme ausgelagert
  • Blutsperre (so weit wie möglich proximal)
postoperative Therapie: 
  • bei FK nach Katheterroutine
  • sonst bei Bedarf Morphin (Capros akut®) 10 mg p. o.
 
Sprunggelenksoperationen (OP-Risikoscore: 2)
Anästhesie:
  • SpA (oder LM) + LIB
  • bei trimalleolärer Fraktur zusätzlich FB
  • ggf. FB + AIB
Lagerung:
  • Rückenlage auf Normaltisch
  • beide Arme ausgelagert
  • Blutsperre (Oberschenkel)
postoperative Therapie: 
  • b. B. Morphin (Capros akut®) 10 mg p. o.
 
Fußoperationen (Hallux valgus, ...) (OP-Risikoscore: 2)
Anästhesie:
  • LIB + Saphenusblockade oder 
  • LM + LIB
PAP:
  • 1,5 g Cefuroxim i.v. single shot nur bei ausgedehnten Eingriffen/ Absprache mit Operateur
  • ggf. zweite AB-Dosis bei OP-Zeit > 2 h/ Blutverlust > 1 l/ großem Weichteilschaden (intraoperative Ansage vom Operateur)
  • kein Cefuroxim bei bekanntem MRSA-Träger, hier: Vancomycin 1 g i.v.
Lagerung:
  • Rückenlage auf Normaltisch
  • beide Arme ausgelagert
  • Blutsperre unterhalb des Knies
postoperative Therapie: 
  • bei Bedarf Morphin (Capros akut®) 10 mg p. o.
ambulante Materialentfernungen am Fuß (OP-Risikoscore: 2)
Anästhesie:
  • LM
  • keine Regionalanästhesie
Lagerung:
  • Rückenlage auf Normaltisch
  • beide Arme ausgelagert
  • Blutsperre unterhalb des Knies
postoperative Therapie: 
  • bei Bedarf Morphin (Capros akut®) 10 mg p. o.
Achillessehnenoperation (OP-Risikoscore: 2)
Anästhesie:
  • ITN (wegen des Gipsverbandes keine Regionalanästhesie)
  • Tubusverlängerung
  • Augenschutz
  • Blutsperre (Oberschenkel)
Lagerung:
  • Bauchlage auf Normaltisch
postoperative Therapie: 
  • bei Bedarf Morphin (Capros akut®) 10 mg p. o.
Umstellungs- und intertrochantäre Osteotomie bei Erwachsenen (OP-Risikoscore: 3)
Anästhesie:
  • ITN + FB + AIB oder
  • ITN + PKB (Auswahl des RA-Verfahrens mit Operateur besprechen
Lagerung:
  • Rückenlage auf Normaltisch
postoperative Therapie: 
  • bei Bedarf Morphin (Capros akut®) 10 mg p. o.
Klumpfußoperationen bei Kindern
Anästhesie:
  • LM (wenn Bauchlage: ITN) + LIB oder LIK (in Rücksprache mit dem Operateur)
  • bei beidseitiger OP: LM/ITN + Kaudalkatheter; Bestückung nach Schema (SOP Kinderanästhesie ⇒ Regionalanästhesie)
  • Temperaturmessung
PAP:
  • Cefuroxim i.v. nach Gewicht als single shot nur nach Rücksprache mit Operateur
Lagerung:
  • Rückenlage auf Normaltisch oder Bauchlage (Indikation durch Operateur)
  • Wärmematte
  • ggf. Blutsperre am Oberschenkel ⇒ Rücksprache mit Operateur
postoperative Therapie:  
  • wenn Kaudalkatheter liegt: Bestückung nach Schema (SOP Kinderanästhesie ⇒ Regionalanästhesie)
  • sonst Paracetamol supp./ Ibuprofen Saft nach Gewicht
 
perkutane Achillotomie bei Kindern
Anästhesie:
  • LM/ITN 
Lagerung:
  • Rückenlage auf Normaltisch
  • Wärmematte
Prämedikation:
  • Midazolam nach Gewicht
postoperative Therapie: 
  • bei Bedarf Paracetamol supp. 
    • Einzeldosis: 10 - 15 mg/kg KG
    • Tagesgesamtdosis: 60 mg/kg KG
Umstellungs- und intertrochantäre (hüftgelenksnahe) Osteotomie bei Kindern
Anästhesie:
  • LM/ITN + FB
Lagerung:
  • Rückenlage auf Plattentisch mit einteiligem Carbonteil
Prämedikation:
  • Midazolam nach Gewicht
postoperative Therapie: 
  • Ibuprofensaft nach Gewicht
Epiphysiolysen (meist bei Kindern zwischen 9 und 15 Jahren, i.d.R. Adipositas p.m.)
Anästhesie:
  • bevorzugt ITN, ggf. LM
Lagerung:
  • Rückenlage auf Plattentisch mit einteiligem Carbonteil
Prämedikation:
  • Midazolam nach Gewicht
postoperative Therapie: 
  • Ibuprofensaft nach Gewicht
  • bei Bedarf Morphin (Capros akut®) 10 mg p. o.

SOP Kopfdaten

Version
4
Gültigkeit
01. Feb. 2018
Alle anzeigen: HK Erfurt
Bereich
Ärzte
Autor/en
Dr. Sabine Recknagel-Friese

Changelog

01.02.2016: SOP überarbeitet (Dr. Sabine Recknagel-Friese)