Schlaganfall Hot

Dr. Christian Icke  
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Unter Schlaganfall werden ischämische Ereignisse, spontane intrazerebrale Blutungen und Sinusvenenthrombosen zusammengefasst.

 

Initiale Diagnostik

  • Anamnese: Symptome, Symptombeginn (Uhrzeit), Medikamenteneinnahme, vorausgegangene Operationen, Verletzungen, Blutungen.
  • Klinisch-neurologische Untersuchung: Dabei werden aktuell bestehende Funktionsausfälle dokumentiert. Die Untersuchung folgt dem NIHSS – Score und ergibt eine Punktzahl. Die Dokumentation erfolgt auf dem Bogen für die Schlaganfallkomplexbehandlung.
  • CCT: Das nativ-CCT erfolgt mit der Frage nach einer Blutung, Infarkt-Frühzeichen und Infarktdemarkation.
  • CTA: zeigt Gefäßverschlüsse bzw. -abbrüche, Aneurysmata und Gefäßmalformationen
  • EKG, Labor (Blutbild, Elektrolyte, Nierenfunktion, TSH, Gerinnung)

 

Akuttherapie ischämischer Schlaganfall

  • Wirksamste Therapie ist die systemische Lyse. Vorausetzung ist Symptombeginn vor weniger als 3 Stunden, in Einzelfällen unter 4,5 Stunden. Kontraindikationen sind Blutungen, Traumen und Operationen. Möglichst viele Patienten sollen der Lyse zugeführt werden.
  • Lysetherapie mit 0,9 mg/kgKG rTPA (Actilyse), davon 10 % als Bolus, Rest über 1 h. rTPA wird als Perfusorspritze mit 1 mg/ml aufgezogen. Beispiel: 80 kgKG bedeutet 72 mg Gesamtdosis, entsprechend 72 ml Lösung. Davon werden 7,2 ml als Bolus verabreicht, 64,8 ml mit entsprechender Laufrate über 1 h
  • CCT-Kontrolle nach 24 h, danach Entscheiden über Sekundärprophylaxe mit ASS 100 mg und Enoxaparin
  • Temperaturkontrolle, aggressive antipyretische Therapie bei Temp > 37,5 °C
  • Normoglykämie anstreben
  • Optimale Lagerung (OK hoch) zum Vorbeugen von pulmonalen Ereignissen
  • Entscheidung über interventionelle Rekanalisierung bei Carotis T- und M1-Verschlüssen; Lyse dient dabei als „Bridging“.

 

Vorgehen nach interventioneller Rekanalisierung

  • Interventionsprotokoll Neuroradiologie beachten
  • Weaning; Extubation sobald wie möglich
  • Bei Stent-Implantation meist duale Plättchenhemmung erforderlich (ASS + Clopidogrel)

 

Akuttherapie der intrazerebralen Blutung

  • Blutdruckeinstellung auf RR systolisch < 160 mmHg
  • Enoxaparin ab Folgetag
  • Angiographie bei atypisch gelegenen Blutungen

 

Intensivtherapie

  • Monitoring Vitalparameter
  • 6 stündlich neurologischen Status erheben gemäß „Komplexbehandlungsbogen
  • Ursachenforschung bei Vigilanzabnahme (CCT, CTA, Angiographie)
  • Dekompressionskraniektomie bei drohender Raumforderung (Infarkt > 1/3 Mediaversorgungsgebiet, Alter < 55 Jahre)
  • Kardiologische Diagnostik (kardiale oder aortale Thromben, Rhythmusstörung, PFO)
  • Anmeldung Logopädie (Dysphagiediagnostik)
  • Anmeldung Rehabilitation
  • gesetzliche Betreuung bei stark eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit einrichten (Aphasie)
  • Frühzeitig SSRI (Citalopram 10 – 20 mg)
  • Atorvastatin 20 mg 0 - 0 - 1 - 0 p.o.
  • 24 h nach Lyse CCT, danach Entscheidung über ASS und Enoxaparin

 

Diagnostik

  • EKG
  • Echokardiographie
  • Gefäßdarstellung (Doppler, CTA, Angiographie)
  • Labor bei kryptogenem Schlaganfall:
    • ANA, ANCA, Rheumafaktor
    • APC–Resistenz, Protein C, Protein S
    • anti-Doppelstrang-DNA
    • Phospholipid-AK, Cardiolipin-AK

 

Dokumentation

  • Komplexbehandlungsbogen
  • QS Bogen Schlaganfall
  • Verschlüsselung:
    • Schlaganfall nach Stromgebiet bzw. Blutungslokalisation
    • Hemiparese G 81.0
    • Aphasie R47.1
    • Lyse 8-020.8
    • Komplexbehandlung 8-981.1

SOP Kopfdaten

Version
3
Gültigkeit
14. Nov. 2016
Alle anzeigen: HK Erfurt
Bereich
Ärzte
Autor/en
Dr. Kai-Uwe Döbel, D.E.S.A.

Changelog

14.04.2011: SOP neu erstellt (Dr. Kai-Uwe Döbel, D.E.S.A.)
14.11.2012: SOP überarbeitet (Dr. Wolfgang Jakob)
14.11.2014: SOP überarbeitet (Dr. Wolfgang Jakob)

Quellen

http://www.dgn.org/leitlinien-online-2012/inhalte-nach-kapitel/2310-ll-22-2012-akuttherapie-des-ischaemischen-schlaganfalls.html

Stroke Manual NEU

Komplexbehandlungsbogen