Ultraschallgestützte Regionalanästhesie

Ultraschallgestützte Regionalanästhesie Hot

Dr. Christian Icke  
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Ultraschallgestützte Regionalanästhesie

1. Vorbereitung

2. Grundsätzliches

3. Hygiene
3.1 Single shot
3.2 Katheteranlage

4. Blockaden
4.1 Zervikalblockade
4.2 Interskalenäre Blockade
4.3 Supraklavikuläre Blockade
4.4 Axilläre Blockade
4.5 Femoralisblockade
4.6 Saphenusblockade
4.7 Distale Ischiadikusblockade
4.8 Thoraxwandblockade
4.9 Transversus Abdominis Plane-Block 

 


1. Vorbereitung 

  • in der Regel Linearsonde verwenden
  • geeignetes Preset (Nerven, Vaskular, ...) für die jeweilige Blockade wählen
  • Bildoptimierung der Zielstruktur (Tiefe/ Fokus/ Helligkeit (Gain)/ Frequenzanpassung)
  • Zusätzlich wird auf die SOP Korrekter Umgang mit Ultraschallgeräten hingewiesen.

2. Grundsätzliches

  1. Entscheidend für die Sicherheit der jeweiligen Nervenblockade ist die sichere Visualisierung der Nadelspitze im Ultraschallbild.
  2. Der Schliff der Punktionsnadel ist auf den Ultraschallkopf hin ausgerichtet.
  3. Die Aspiration an der Lokalanästhetikaspritze ist während der Annäherung der Nadel an die Zielstruktur nicht erforderlich. 
    Grund: Die über die Spritze-Nadelverbindung ggf. aspirierte und dann bei Gabe des Lokalanästhetikums applizierte Luft kann die weitere sonografische Darstellung der Zielstruktur erschweren/verhindern.
  4. Vor Injektion des Lokalanästhetikums ist eine Aspiration möglich; in jedem Fall wird zunächst nur eine Testmenge von 0,5-1 ml Lokalanästhetikum gegeben und dessen Verteilung dargestellt. 
    Bei Blockaden/Kombination von Blockaden, bei denen die Lokalanästhetikagabe an die Maximaldosierung des Lokalanästhetikums reicht, ist die Hydrolokalisation mit NaCl 0,9% zu empfehlen.
    Die regelrechte Ausbreitung des Lokalanästhetikums um den Nerven wird während dessen Gabe durch Schwenken und Kippen der Ultraschallsonde verfolgt.
  5. Ein direkter Nadel-Nerv-Kontakt und eine intraneurale Lokalanästhetikagabe sind zu vermeiden.
    Ziel vielmehr ist, dass sich das Lokalanästhetikum zirkulär, zumindest aber c-förmig, um den Nerven ausbreitet (Ausnahme interskalenäre Blockade, hier reicht die Gabe des Lokalanästhetikums von lateral an die Nerven).
    Bei versehentlicher intraneuraler Position ist die Korrektur der Nadellage erforderlich; wird bei der Testmenge ein Anschwellen des Nerven beobachtet (unbemerkte intraneurale Lage der Nadelspitze), wird die Nadelspitze soweit zurückgezogen, bis sich das Lokalanästhetikum extraneural ausbreitet. 
     
    Hinweis zur Sicherheit:
    Grundsätzlich keine Injektion des Lokalanästhetikums gegen einen erhöhten Stempeldruck bei der Injektion.
     
  6. Die korrekte Ausbreitung des Lokalanästhetikums via Katheter sollte immer sonografisch kontrolliert werden, um eine gute Wirksamkeit sicherzustellen. 

    Hinweis:
    Bei sonografisch gestützten Katheteranlagen ist hierbei keine Dilatation mit NaCl 0,9% erforderlich. Vielmehr erfolgt zunächst die Nervenblockade, dann die Platzierung des Katheters und zuletzt mit 1-3 ml Lokalanästhetikum die Darstellung der korrekten Ausbreitung des Lokalanästhetikums.
     
  7. Die Kombination von Sonografie und Nervenstimulation ist unter folgenden Aspekten empfehlenswert:   
  • sicheres Identifizieren der Nerven gegenüber anderen Strukturen (DD Sehnen)
  • allgemein schwierige Schallbedingungen und/oder tiefe Blockaden
  • unbeabsichtigte Nervenpunktionen auf dem Weg zur Zielstruktur können erkannt werden
  • das Beobachten und Kennen der jeweiligen Muskelantwort ist für die Regionalanästhesieausbildung wertvoll

3. Hygiene bei Interventionen mit Ultraschall

Es gibt nur vereinzelt evidenzbasierte Empfehlungen bei Regionalanästhesien.
Die aktuellen Empfehlungen beruhen vor allem auf Analogien zur ZVK-Anlage: „Was für einen ZVK gut ist, kann für andere Katheter nicht schlecht sein“.

Der Arbeitskreis Regionalanästhesie hat in seiner überarbeiteten Handlungsempfehlung
„Hygieneempfehlungen für die Regionalanästhesie“ (Kerwat K et al., AnästhIntensivmed 2015;56:34-40) darauf hingewiesen, dass auch ultraschallgesteuerte Punktionen aseptischen Kautelen genügen müssen.

Aseptisches Vorgehen

  • Bei einer Ultraschalluntersuchung ohne Punktion wird als Kontaktmedium Ultraschallgel verwendet.
  • Verbliebenes Ultraschallgel wird vor der Punktion entfernt
  • Händedesinfektion; mindestens 30 s
  • Hautdesinfektion; mindestens dreimalige Sprühdesinfektion über 2 min mit Cutasept G
  • Abdecken mit Lochtuch bei Katheterverfahren
  • Kleidung Single shot: Kopfbedeckung, Mundschutz, sterile Handschuhe obligat
  • Kleidung Katheter: Kopfbedeckung, Mundschutz, sterile Handschuhe, Kittel obligat
  • Der Schallkopf muss mit einer geeigneten sterilen Hülle versehen werden.

3.1 Single shot

  • Abb. 1: Tegadermpflaster am Schallkopf 1
  • Abb. 2: Tegadermpflaster am Schallkopf 2 

3.2 Katheteranlagen

  • Abb. 3 zeigt den mit einer ausreichend langen Schutzhülle steril verpackten Schallkopf.
  • Bei der Punktion führt eine Hand den Schallkopf, die andere Hand punktiert. Um erfolgreich punktieren zu können, sollten beide Hände auf dem Patienten ruhen. Beim wachen Patient ist ein entsprechendes Einverständnis einzuholen.
  • Dabei ist darauf zu achten, dass die Nadel mit dem Schallkopf nicht in Berührung kommt.
  • Als Kontaktmedium wird während der Punktion Desinfektionsmittel verwendet.

4. Blockaden

4.1 Zervikalblockade

Indikation:

  • Operation an der A. carotis
  • Eingriffe am lateralen Hals

Spezielle Kontraindikationen:

  • kontralaterale Phrenikus- u.o. Rekurrensparese
  • respiratorische Insuffizienz

Lagerung:

  • Patient in Rückenlage
  • den Kopf leicht zur kontralateralen Seite gedreht
  • Anästhesist steht seitlich auf Halshöhe der Punktionsseite
  • das Ultraschallgerät auf der Gegenseite. 

Vorgehen bei der Karotischirurgie:

  • Darstellung der Karotisgabel
  • Die Punktion erfolgt in plane.
  • Im ersten Schritt werden 5 ml Lokalanästhetikum unterhalb der Karotisgabel gegeben.
  • Im zweiten Schritt (in der Regel beim Rückzug der Nadel) 20 ml Lokalanästhetikum in die zervikale Nervenstrasse.
     
    Hinweis: 
    Auf die halbmondförmige Ausbreitung des Lokalanästhetikums unter der Karotisgabel sowie das Aufdehnen der zervikalen Nervenstrasse (etwa von 0,5 auf 1,5 cm) achten. 
     
  • Zuletzt werden subkutan 10 ml Lokalanästhetikum im Bereich des Vorderrandes des M. sternocleidomastoideus vom Jugulum bis zum Mastoid sowie 5 ml Lokalanästhetikum vom Mastoid bis zum Kieferwinkel verteilt.
  • Insgesamt 30 ml Ropivacain 0,375% + 10 ml Lidocain 1%, Nadel: 5 cm, 21 G,  Nadelführung in plane

Operation am lateralen Hals oder Vorgehen, wenn die Karotisgabel weit über C4 Niveau liegt:

  • Punktion in plane
  • Gabe von 20 ml Lokalanästhetikum in die zervikale Nervenstrasse auf Höhe des 4. Querfortsatzes und ca. 5 ml Lokalanästhetikum als Feldblockade im Trigonum caroticum (Innervation durch Ramus colli des N. fazialis). 
  • Für die Operation ist zur Anästhesie der A. carotis bei diesem Vorgehen noch die intraoperative Gabe von 1 - 2 ml Lokalanästhetikum unter die Adventitia der A. carotis durch den Operateur erforderlich.
  • Insgesamt 25 ml Ropivacain 0,375%, Nadel: 5 cm, 21 G, Nadelführung in plane

4.2 Interskalenäre Blockade

Indikation:

  • Schulteroperationen
  • Schulterreposition/-mobilisation
  • Operationen an der lateralen Clavikula und am Oberarm

Spezielle Kontraindikationen:

  • kontralaterale Phrenikus- u.o. Rekurrensparese,
  • respiratorische Insuffizienz

Lagerung:

  • Rückenlage des Patienten
  • Kopf leicht zur Gegenseite der OP-Region gedreht
  • Arm seitlich angelagert
  • Der Anästhesist steht hinter dem Kopf des Patienten, das Ultraschallgerät auf Oberarmhöhe der Punktionsseite.

Vorgehen: 

  • Linearen Ultraschallkopf transversal in Höhe des Krikoids auf der Punktionsseite aufsetzen, Ziel ist die Darstellung von A. carotis, V. jugularis und des M. sternocleidomastoideus (Standardschnitt am Hals als Ausgangspunkt sämtlicher Punktionen im Halsbereich).
  • Von dort aus den Schallkopf nach kaudal gleiten, unmittelbar supraklavikulär parallel zum Schlüsselbein aufsetzen und dann die Sonde in den Thorax neigen. Ziel ist die Darstellung der A. subclavia.
  • Ventrolateral der A. subclavia stellt sich der Plexus supraclavikularis dar.
  • Durch Kippen und Gleiten des Ultraschallkopfes nach kranial verfolgen der Nerven im Verlauf, bis diese die jeweilige Nervenwurzel C7 (erkennbar am fehlenden anterioren Tuberkel des Querfortsatzes C7), C6 und C5 erreichen.
  • Punktion out of plane: von lateral die Nadel dem superioren Trunkus annähern und das Lokalanästhetikum knapp unterhalb des Querfortsatzes C7 von lateral an C5 und C6 applizieren.
  • Das einseitige Umspülen der Nerven von lateral ist bei der interskalenären Blockade ausreichend.

    Wichtiger Hinweis: 

    Insbesondere bei der interskalenären Blockade erhöhen Nadelspitzenkorrekturen die Möglichkeit einer Nervenläsion. Deshalb Darstellen des N. phrenicus (auf dem M. scalenus anterior), des N. dorsalis scapulae und des N.  thoracicus longus (durchlaufen den M. scalenus medius), um akzidentelle Punktionen dieser Nerven zu vermeiden.
  • 20 ml Ropivacain 0,5% zur Analgesie in Kombination mit Allgemeinanästhesie, 20 ml Ropivacain 0,75% zur Anästhesie  
  • Bei erfahrenen Untersuchern kann die Menge des Lokalanästhetikums für den Blockadeerfolg deutlich niedriger liegen (5-10 ml); hierdurch kann die Inzidenz der Phrenikusparese verringert werden. 

Besondere Indikation: 

  • interskalenäre Blockade zur Schulterreposition
  • hier (5-) 10 ml Prilocain 1% auf Höhe der Nerven C5/C6 applizieren
  • Nadel 5 cm, 21 G, Nadelführung out of plane

4.3 Supraklavikuläre Blockade

Indikation:

  • Anästhesie und Analgesie der oberen Extremität ab proximalen Oberarm

Lagerung:

  • Patient in Rückenlage
  • Kopf leicht zur Gegenseite gedreht
  • Anästhesist steht auf Schulterhöhe der Punktionsseite, das Sonografiegerät auf Höhe der Schulter kontralateral

Vorgehen:

  • Standardschnitt Hals
  • von dort aus den linearen Ultraschallkopf nach kaudal gleiten und supraklavikulär parallel zum Schlüsselbein platzieren
  • von dort in den Thorax kippen. Ziel ist die Darstellung der Leitstrukturen A. subclavia, der 1. Rippe sowie der Pleura
  • Kraniolaterlal der A. subclavia stellt sich der Plexus supraclavikularis dar. Mit der Nadel in planedie paraneurale Faszie um den Plexus durchdringen und sorgfältig die Lokalanästhetikaverteilung insbesondere im Winkelbereich zwischen 1. Rippe und A.subclavia sowie den Widerstand bei der Lokalanästhetikagabe beachten.
  • Bei erhöhtem Widerstand oder nicht adäquater Lokalanästhetikaverteilung die Nadelposition korrigieren.
  • Blockade für erfahrene Anwender, da eine sichere in plane-Nadelführung aufgrund der Nähe zur Pleura essentiell ist und häufig Gefäße (vor allem A. transversa colli) den Plexus überqueren.
  • Zusätzlich kann der N. suprascapularis auf dem Punktionsweg liegen und akzidentell punktiert werden.
  • Anästhesie: 20 ml Ropivacain 0,75%
  • Analgesie: 20 ml Ropivacain 0,5%
  • Nadel: 5 cm, 21 G, Nadelführung in plane

4.4 Axilläre Blockade

  • Bei minimalem Komplikationsrisiko die Einstiegsblockade der ultraschallgestützten Regionalanästhesie.
  • Hierbei werden nach Identifizierung der vier Zielnerven diese in plane blockiert.
  • Selbst unter schwierigen Verhältnissen (Adipositas) sind die Nerven in der Regel gut darstellbar.

Indikation: 

  • Operationen von der Hand, Unterarm, Ellenbogengelenk bis zum distalen Oberarm 

Lagerung: 

  • Rückenlage des Patienten
  • Abduktion des Arms um 90°, ggf. Beugung im Ellenbogengelenk um 90° zum Verbessern der Punktionsbedingungen
  • Der Anästhesist steht/sitzt an der Flanke, das Sonografiegerät befindet sich auf Kopfhöhe der Punktionsseite.
  • Eine eingeschränkte Schulter-/Ellenbogenmobilität des zu anästhesierenden Arms kann die Lagerung zur Blockade für den Patienten unangenehm oder unmöglich machen. In diesen Fällen ist primär eine supra-/infraklavikuläre Blockade zu bevorzugen.

Vorgehen: 

  • linearer Schallkopf 
  • Darstellung der A. axillaris im Querschnitt möglichst proximal in der Achselhöhle
  • Die Venen durch Druck des Schallkopfes komprimieren. 
  • Darstellung der conjoint tendon (M. latissimus dorsi/ M. teres major).
  • Identifizierung folgender Nerven an Hand des jeweils typischen Verlaufs: 
    • N. radialis (liegt auf der conjoint tendon, zieht mit der A. profunda brachii zum Humerus)
    • N. ulnaris (zieht zum Sulcus ulnaris)
    • N. medianus (begleitet die A. brachialis)
    • N. musculocutaneus (zieht vom N. medianus in einer Faszienschicht durch den M. coracobrachialis)
  • Punktion primär in plane
  • zur Anästhesie 30 ml Ropivacain 0,75% verteilt an die genannten Nerven. 
  • Mit zunehmender Erfahrung des Anästhesisten können geringere Mengen an Lokalanästhetikum (15-20 ml) zum Blockadeerfolg genügen.
  • Zur Analgesie in Kombination mit einer Allgemeinanästhesie 20 ml Ropivacain 0,5%
  • Nadel: 5 cm, 21 G, Nadelführung in plane für die Single-shot Blockade, Punktion out of plane bei der Katheteranlage 

Besondere Situation:

  • Bei ambulanten Operationen wird als Lokalanästhetikum 30 ml Prilocain 1% verwendet

4.5 Femoralisblockade

Indikation:

  • Eingriffe am anterioren Oberschenkel
  • Operationen am Femur,
  • an der Patella und am 
  • Tibiakopf
  • als Katheterverfahren zur präoperativen Analgesie bei proximaler Femurfraktur
  • zur Toleranz der Oberschenkelblutsperre

Lagerung:

  • Patient in Rückenlage
  • Anästhesist steht bei der Blockade (Punktion in plane) auf Hüfthöhe der Punktionsseite, das Sonografiegerät auf der Gegenseite
  • beim Katherverfahren erfolgt die Punktion out of plane, der Anästhesist steht hierbei auf Oberschenkelhöhe der Punktionsseite, das Sonografiegerät auf Hüfthöhe derselben Seite oder der Gegenseite. 

Vorgehen: 

  • Darstellung A. und V. femoralis. (IVAN: innen Vene, dann Arterie, dann Nerv)
  • hierbei so weit nach proximal gleiten, bis sich die A. femoralis superficialis und die A. femoralis profunda zur A. femoralis communis vereint haben.
  • Über die A. femoralis läuft die Faszia lata, die Faszia iliaca läuft unterhalb der Arterie. Ziel ist die Lokalanästhetikagabe unterhalb der Faszia iliaca am lateralen Rand des Nerven.
  • Analgesie in Kombination mit einer Allgemeinanästhesie 20 ml Ropivacain 0,5%
  • Anästhesie und in Kombination mit einer Ischiadikusblockade 10-20 ml Ropivacain 0,75%
  • Nadel: 5 cm, 21 G, Nadelführung in plane bei Blockade, out of plane bei Katheteranlage 

4.6 Saphenusblockade

Indikation:  

  • In Kombination mit der Ischiadicusblockade für alle Eingriffe am Fuß und Unterschenkel
  • bei Oberschenkelblutsperre ist die Femoralisblockade erforderlich 

    Hinweis: 

    Bei Eingriffen ohne Unterschenkelblutsperre ist die Saphenusblockade additiv zur Ischiadikusblockade nur bei Eingriffen am medialen Unterschenkel, Innenknöchel, medialen Fußrand bis zum Großzeh erforderlich.

Lagerung: 

  • Rückenlage des Patienten
  • Untersucher steht auf der Punktionsseite auf Höhe des Oberschenkels, das Sonografiegerät auf der Gegenseite.

Vorgehen: 

  • Darstellung des M. vastus medials, des M. sartorius und der A. femoralis etwa im Übergangsbereich des mittleren zum distalen Drittel des Oberschenkels. 
  • Die Punktion erfolgt von der Oberschenkeloberseite aus in plane, das Lokalanästhetikum wird bezogen auf die A. femoralis etwa in den 11 Uhr-Bereich gegeben. 
  • Sollte sich der Nerv nicht sicher darstellen lassen, ist auf eine Ausbreitung des Lokalanästhetikums von 9 – 3 Uhr um den ultrschallkopfnahen Bereich der Arterie zu achten.
  • zur Anästhesie/ Analgesie 10 ml Ropivacain 0,5 %
  • Nadel: 10 cm, 21 G, Nadelführung in plane

4.7 Distale Ischiadikusblockade

Indikation: 

  • Eingriffe distal des Knies (mit Ausnahme Innervationsgebiet des N. saphenus).
  • In Kombination mit der N. saphenus Blockade sind alle Eingriffe (ohne Oberschenkelblutsperre) distal des Knies in Regionalanästhesie möglich.
  • Sollte eine Oberschenkelblutsperre angelegt werden, wird die Ischiadicusblockade mit   der N. femoralis Blockade kombiniert. 

Lagerung:

  • Rückenlage des Patienten
  • Unterschenkel auf eine Lagerungsschiene platzieren, Knie leicht gebeugt.
  • Anästhesist steht/ sitzt auf der Punktionsseite, das Sonografiegerät steht auf der Gegenseite.
  • Zur Katheteranlage empfiehlt sich beim wachen und mobilen Patienten die Seitlagerung auf die Gegenseite der Punktionsseite, um den Katheter von der Oberschenkelrückseite entlang des Nervenverlaufs zu platzieren. Grund: geringere Dislokationsrate als bei Anlage von lateral. Hierbei wird das untere Bein gebeugt, das obere Bein = Punktionsseite gestreckt. Der Anästhesist steht hinter dem Patienten auf Höhe der Kniekehle, das Sonografiegerät auf der Gegenseite auf Höhe des Oberschenkels.

Vorgehen: 

  • Den Schallkopf auf Höhe des Kniegelenks dorsal aufsetzen
  • Darstellung der A. poplitea, oberhalb der Arterie Darstellung des N. tibialis.
  • Den N. tibialis im Ultraschallbild zentrieren und dessen Verlauf nach proximal verfolgen.
  • Von lateral nähert sich der N. peroneaus dem N. tibialis.
  • Punktion in plane auf Höhe/ knapp unterhalb der Aufteilungsstelle des N. ischiadicus. Ziel ist, das Paraneurium vorsichtig zu perforieren. 
  • Das Lokalanästhetikum breitet sich in dieser Bindegewebsschicht zirkulär um den Nerven aus. 
     
    Praxistip: 
    Bei schlechter Darstellbarkeit kann ein höherer Druck auf den Schallkopf die Darstellung des Nerven verbessern; aufgrund der ausgeprägten Anisotropie des N. ischiadicus ist eine Variation des Schallkopfwinkels während des Untersuchungsgangs wichtig.
     
  • Anästhesie: 10 ml Prilocain 1% +10 ml Ropivacain 0,75%
  • Analgesie: 20 ml Ropivacain 0,5% in Kombination mit einer Allgemeinanästhesie

Besondere Situation: 

  • Bei kurzdauernden/ ambulanten Operationen mit gering zu erwartenden Schmerzen werden 20 ml Prilocain 1% appliziert.
  • Nadel: 10 cm, 21 G, Nadelführung in plane zur Single shot-Gabe;
    Nadel: 5 (-10) cm zur Katheteranlage, Punktion out of plane

4.8 Thoraxwandblockade (PECS-Blockade)

Indikation:

  • PECS I + PECS II Blockade für Mammachirurgie mit Axillabeteiligung
  • PECS II-Blockade für Operationen in der Axilla 

Lagerung:

  • Rückenlage des Patienten
  • der Anästhesist steht am Kopf des Patienten, das Ultraschallgerät auf Höhe des Brustkorbs auf der Punktionsseite.

Vorgehen: 

  • Lineare Ultraschallsonde longitudinal im Bereich der Mohrenheim-Grube (Trigonum deltoideopectorale) aufsetzen.
  • Darstellung A. und V. subclavia. 
  • Anschließend die Ultraschallsonde nach kaudal bewegen und auf Höhe der 3. Rippe das distale Ende des Schallkopfes ca. 70° nach lateral drehen und posterior bis zum lateralen Ende des M. pectoralis minor gleiten. 
  • Darstellung der  folgender Muskelschichten von außen nach innen: 
    • M. pectoralis major
    • M. pectoralis minor
    • M. serratus anterior
    • Interkostalmulskulatur

PECS I

  • Die Gabe des Lokalanästhetikums erfolgt in die Faszienschicht zwischen dem M. pectoralis major und minor. Leitstruktur A. thorakoacrominalis

PECS II

  • Die Nadel in plane ein kleines Stück in den M. serratus anterior und unter Rückzug der Nadel 0,5 ml weise Gabe von NaCl 0,9%, bis sich die Flüssigkeit in der  Faszienschicht zwischen M. pectoralis minor und M. serratus anterior ausbreitet. Dann  Gabe des Lokalanästhetikums.
  • Analgesie: 20 ml Ropivacain 0,375% PECS II, 10 ml Ropivacain 0,375% PECS I
  • Anästhesie: 20 ml Ropivacain 0,5% (für Shuntchirurgie in der Axilla, in Kombination mit supraclavikulärer Blockade)
  • Nadel: 5 cm, 21 G, Nadelführung in plane

4.9 Transversus Abdominis Plane Block

Indikationen:

  • offene Unterbauchchirurgie (Th 10-12)
    • z.B. beidseits bei radikaler Prostatektomie ohne PDK 
    • z.B. einseitig bei Stomaanlage/ -rückverlagerung
  • Beckenkammbiopsie

Lagerung:

  • Rückenlage
  • Arm der Punktionsseite sollte etwas abduziert werden
  • Untersucher steht auf Höhe des Beckenkamms, das Ultraschallgerät gleichseitig kopfwärts oder auf der Gegenseite direkt gegenüber 

Vorgehen:

  • Lineare Ultraschallsonde in der mittleren bis hinteren Axillarlinie zwischen Rippenbogen und Beckenkamm platzieren
  • Darstellung folgender Muskelschichten:
    • M. obliquus externus und internus
    • sowie das posteriore Ende des M. transversus abdominis.
  • 20 ml Ropivacain 0,5% werden bei einseitiger Punktion unterhalb der Faszie des M. obliquus internus auf die Faszie des M. transversus abdominis gegeben, bei beidseitiger Punktion jeweils 20 ml Ropivacain 0,375% pro Seite.

    Praxistip:
    Um die Nadel sicher in der Faszienschicht zu platzieren, wird die Nadel zunächst wenige Millimeter in den M. transversus abdominis vorgeschoben. Während des Nadelrückzugs wird 0,5 ml weise NaCl 0.9% gegeben, bis sich die Flüssigkeit in der Faszienschicht ausbreitet. Dann Gabe des Lokalanästhetikums.

  • Nadel: 10 cm, 21 G, Nadelführung in plane

SOP Kopfdaten

Version
1
Gültigkeit
09. Feb. 2018
Alle anzeigen: HK Erfurt
Bereich
Ärzte
Autor/en
Dr. Achim Spenner, Jan-Mike Mertens, D.E.S.A

Changelog

01.02.2016: SOP neu erstellt

Quellen

Kerwat K et al. 2015. „Hygieneempfehlungen für die Regionalanästhesie“ AnästhIntensivmed 56:34-40