ITS: Antibiotikatherapie Hot

Michael Olbrecht  
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Regeln für die Antibiotikatherapie

Erreger:

Am effektivsten ist eine Antibiogramm-gerechte Therapie. Daher: Vor Therapiebeginn Blutkulturen (mindesten 2 Paare, idealerweise peripher gestochen, 2 Punktionsorte), Urinkultur und Trachealsekret, ggf. Wundabstrich abnehmen. Anschließend ggf. kalkulierte Antibiotikatherapie. Nach Eingang des Antibiogramms  Umstellung und Deeskalation der Antibiotikatherapie

Gewebegängigkeit beachten:

  • Blut-Hirnschranke: Cephalosporine der 3. Generation, Penicillin, Meropenem
  • Abszesse: Keine Wirkung von Aminoglykosiden (bis zu 40mal schwächer), häufig sind auch Anaerobier zu erwarten
  • Bakterien mit intrazellulärem Überleben: Makrolide, Chinolone, Rifampicin

Kombinationstherapie sinnvoll, wenn:

  • Mischinfektionen vorliegen
  • lebensbedrohliche Infektionen zu behandeln sind, ohne dass ein Erregernachweis vorliegt
  • Erreger mit hoher Mutations- und Resistenzentwicklung vorliegen: Pseudomonaden, Mykobakterien

 

Keimbesiedelungen ohne Infektionszeichen werden NICHT therapiert

 

Antibiotikaprogramm "ABX"

Unsere Klinik ist an das Antibiotikaprogramm ABX der Charité angeschlossen. Ein Zugang ist über jeden Computer des Krankenhauses möglich.

Webadresse: www.dgai-abx.de.

Passwort und Benutzername erfahren Sie über unsere Ansprechpartner

Das Programm gibt eine hoch qualifizierte Hilfestellung zur Auswahl einer empirischen Antibiose bei Sepsis, abhängig vom Fokus. Weiterhin sind die aktuellen Resistenzstatistiken unserer Klinik hinterlegt. Es finden sich Handlungsempfehlungen zur Abnahme mikrobiologischer Proben und weitere Tools. Ich empfehle eine ausführliche Beschäftigung mit dem Programm, so dass im Ernstfall sicher damit umgegangen werden kann.

 Dauerinfusionen von Antibiotika

Einige Antibiotika haben eine zeitabhängige Tötungscharakteristik. Das heißt sie wirken gut, solange die Konzentration im Serum (bzw. am Wirkort), über der so genannten  minimalen Hemmkonzentration (MHK) liegt. Das ist die Konzentration des AB, die die Bakterien abtötet, die auf  dieses Medikament empfindlich sind. In dem Augenblick in dem der AB Serumspiegel die MHK  unterschreitet, vermehren sich die  Bakterien. Die MHK wird jedoch nach Kurzinfusion je nach AB nach ca.  2-4 h unterschritten, dies kann durch längere Infusionszeiten (oder verkürzte Dosisintervalle)  verhindert werden.

Andere AB sind so genannte Spitzenspiegel-Antibiotika und wirken also konzentrationsabhängig. Das heißt sie müssen einen möglichst hohen Serumspiegel im Körper erreichen um optimal zu wirken.

Antibiotika

  1. Zeitabhängig sind z.B. : Penicilline,  Cephalosporine, Carbapeneme , Vancomycin
  2. Spitzenspiegel = Konzentrationsabhängige Wirkung:  z.B. Aminoglykoside, Ciprofloxacin.

Es liegen genügend positive Daten vor, einige unserer AB als Dauerinfusion zu benutzen. Dabei erhalten Pat. mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen in den ersten 24 h die „Normaldosis“, dann Dosisreduktion entsprechend Fachinformation

Folgende AB sollten ab sofort als "prolongierte" Infusion über einen separaten Zugang laufen:

 

Cefazolin 2g Bolus, dann 3x2 g über jeweils 2h
Ceftazidim 2g Bolus, dann weiter mit 6g über 24 h
Cefuroxim 1,5g Bolus, dann 3-4 x 1,5g über jeweils 2h
Flucloxacillin 2g als Bolus, dann 4-6 x 2 g über jeweils 3h
Imipenem initialer Bolus 1g, nachfolgend 3x1g über jeweils 3 Std
Tazobac 4,5g als Bolus, dann weiter mit 3x4,5 g über jeweils 3 h
Vancomycin 2–3 mal tägliche Gabe ist zu bevorzugen, über jeweils 1- 2 Stunden

Mögliche Probleme der Dauerinfusion:

Zeitverzug bis zur Erreichen der steady-state Konzentration (daher Initialdosis als Bolus), Mobilität des Patienten, Separater Zugang für die Antibiotika-Infusion

SOP Kopfdaten

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