ITS: Delir Hot

Michael Olbrecht  
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Delir

Definition und Bedeutung

  • Akute reversible Psychose mit qualitativer Bewusstseinsstörung und Sinnestäuschung
  • Der Begriff Delir steht für mehr als ein Entzugsdelir, er umfasst auch die frühere Bezeichnung 'HOPS' und 'Durchgangssyndrom'.
  • 3 Hauptkomponenten: Negativsymptomatik, produktiv-psychotische Symptomatik, Agitation
  • Häufigste Bewusstseinsstörung überhaupt
  • Eine der häufigsten postoperativen Komplikationen, v.a. bei älteren/ hospitalisierten Patienten
  • Nach langfristiger Therapie mit Sedativa und Analgetika auf Intensivstation bei bis zu 60% der Patienten.
  • Nach C2 am häufigsten in 40% der Fälle
  • v.a. bei ambulanter Vorbehandlung mit Neuroleptika, Antidepressiva, Anticholinergika, L-Dopa,
  • cave abruptes Absetzen von Benzodiazepinen!
  • Gut untersuchter Zusammenhang zwischen Analgetika/Sedativa auf Intensivstation: Nicht der generelle Einsatz ist problematisch, sondern Dauer, Dosierung und Sedierungstiefe. Ziel: Pat. Sollte wach, ansprechbar und kooperativ sein, ohne ängstlich-agitiert oder im vegetativen ➞ Stress zu sein geringstes Delir-Risiko
  • Erhebliches Gefahrenpotential durch Selbstgefahrdung (Manipulationen am
  • Tubus/Kathetern mit z.B. verlängerter Beatmungsdauer)
  • Vegetativer Stress auch bei geringerem Schweregrad des Delirs führt oft zu erheblichen Komplikationen (z.B. Immunsuppression mit erhöhter Infektinzidenz, HRST, myokardialer Ischämie, Reflux mit Ulcera und Blutungen etc.)

 

Schweregrade

Prädelir (unvollständiges Delir)

  • flüchtige, meist abendliche Halluzinationen und/oder flüchtige vegetative Symptomatik (Schreckhaftigkeit, Schwitzen, Schlafstörungen, morgendlicher Tremor)

 

Delirium tremens (vollständiges Delir)

  • Bewusstseins-, affektive und Orientierungsstörungen, Übererregbarkeit und Halluzinationen (illusionäre Verkennungen, optische und taktile Halluzinationen, Suggestibilitat) und vegetative Entgleisung

 

Lebensbedrohliches Delir

  • schwerste Bewusstseinsstörungen mit schweren, v.a. kardialen und pulmonalen Komplikationen

Differentialdiagnosen

  • Demenz
  • Organische Ursachen (z.B. ZNS Infektionen, metabolische Entgleisungen)
  • Zentrales anticholinerges Syndrom
  • Hypoxie und Hypovolämie
  • Alkoholentzugsdelir
  • Medikamentös induzierte Psychose
  • Harnverhalt

Prävention und nicht medikamentöse Therapie

 

  • Wiederholte verbale Reorientierung
  • Kognitiv stimulierende Aktivitäten
  • Förderung adäquaten Nachtschlafs
  • Verhinderung von Tagschlaf
  • Patientenzimmer mit Fenster
  • Reduktion von Umgebungslärm
  • Anpassung der Beleuchtung
  • Physikalische Therapie, Mobilisation
  • Frühe Entfernung von Kathetern
  • Täglicher Aufwachversuch von beatmeten Patienten entprechend dem Protokoll der Intensivkurve
  • Strenge Indikationsstellung zur Fixierung bzw. frühzeitige Beendigung
  • Gewährleistung funktionsfähiger Hör- und Sehhilfen
  • Korrektur einer Dehydratation
  • Elektrolytausgleich (Magnesium, Kalium)
  • Suffiziente Schmerztherapie

Eine gezielte Prävention kann eine Reduktion von 40% im Auftreten eines Delirs nach sich ziehen

 

Medikamentöse Therapie

 Clonidin = Paracefan ®

  • Pckg 1 Amp. (1ml) = 0,75mg
  • Dosierung: 0,15mg als Kurzinfusion, dann Perfusor 1,5mg Paracefan/50ml, Laufzeit 1-6 ml/h
  • Kontraindikation: SickSinusSyndrom mit Bradykardie
  • Wechselwirkung: initialer RR-Anstieg
  • Einsatz ist bei schwangeren Frauen erlaubt
  • Komplikation: in Verbindung mit Haloperidol ist in seltenen Fällen die Entwicklung eines paralytischen Ileus möglich

Haloperidol:

  • Nebenwirkung: Dyskinesien (Behandlung mit Akineton möglich), malignes Neuroleptikasyndrom
  • Cave: deutlich reduzierte Dosen bei alten Patienten, z.B 4xtgl. 1mg

SOP Kopfdaten

Alle anzeigen: HK Plauen