ITS: Hirntod, Organspende Hot

Michael Olbrecht  
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Hirntod, Organspende und organprotektive Intensivtherapie

Welche Patienten kommen für diese SOP in Frage?  

Beatmete Patienten mit einem unbeeinflussbar fortschreitenden Verlust der Hirnstammfunktionen bei akuter primärer oder sekundärer Hirnschädigung, bei denen keine der folgenden Kontraindikationen vorliegen:

  • HIV-Infektion
  • Aktuelle i.v.-Drogensucht
  • Floride Tuberkulose
  • Sepsis mit nachgewiesenen multiresistenten Keimen sowie nicht kontrollierte Sepsis
  • Nicht kurativ behandeltes Malignom (Ausnahme: bestimmte rein cerebrale Malignome)
  • In Zweifelsfallen muss mit der DSO Kontakt aufgenommen werden.

Erste Schritte bei fraglicher Eignung des Patienten

Jeder dieser Patienten ist unverzüglich dem Leiter der Intensivstation, in seiner Abwesenheit dem Transplantationsbeauftragten, außerhalb der Regelarbeitszeit dem diensthabenden Oberarzt zu melden. Dieser übernimmt mit der Meldung die Koordination der weiteren Schritte:

  • Meldung des Patienten an die DSO (0800-4433033)
  • Festlegung der organprotektiven Therapie
  • Organisation der Hirntoddiagnostik

 Änderungen des Therapieregimes bedürfen der expliziten Absprache mit dem Koordinator.

Grundzüge der organprotektiven Intensivtherapie

  • Temperaturüberwachung, frühzeitig Heizdecke bei Hypothermie
  • Stundenbeutel zur frühzeitigen Diagnose eines Diabetes insipidus und ggf. Beginn mit Minirin
  • Dobutrex/Arterenol mit Ziel RR > 120/80
  • Bei Infektionen großzügige Antibiotikagabe
  • Großzügige Volumengabe
  • Fortsetzung einer Ernährungstherapie

Zeitpunkt der Hirntoddiagnostik

Orientierende Prüfung der Hirnstammfunktionen

  • Koma und Ausschluss einer Narkose
  • Fehlender Lichtreflex bds.
  • Fehlender Kornealreflex bds.
  • Fehlende Trigeminusschmerzreaktion bds.
  • Fehlender Würg- und Hustenreflex

Sind die genannten Kriterien erfüllt, wird eine Hirntoddiagnostik durchgeführt. Die Hirntoddiagnostik dürfen nur Fach- oder Oberärzte selbstständig durchführen! Sude dürfen die untersuchenden Ärzte nicht zum Entnahmeteam gehören (dürfen z.B. nicht die Narkose betreuen)

Wann bespreche ich was mit den Angehörigen?

Hirntod und Organspende sollen unter keinen Umständen logisch miteinander verknüpft werden, damit nicht der falsche Eindruck entsteht, die Hirntoddiagnostik diene dem Zweck der Explantation. Eine Hirntoddiagnostik ist in jedem Fall erforderlich, um den Tod zu erklären und die Therapie einstellen zu können, auch wenn eine Organspende nicht realisiert wird.

Vor dem Hirntod werden die Angehörigen daher ausführlich über den Zustand des Patienten und die Möglichkeit eines eintretenden Hirntodes und die Besonderheit dieser Todesart aufgeklärt. Die Aufklärung der Angehörigen über eine mögliche Organspende obliegt dem diensthabenden Oberarzt.

 

Bitte bei entsprechender Fragestellung die Checkliste "Realisierung einer Organspende" ausdrucken und bearbeiten. Hier finden Sie auch alle Zielgrößen einer organprotektiven Intensivtherapie

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