Kinderanästhesie - Grundlagen

Kinderanästhesie - Grundlagen

Michael Olbrecht  
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Grundlagen und Einführung

·         Soweit wie möglich kindgerechte Umgebung schaffen - Saal aufheizen lassen (ggf. Koordinator, Saalaufsicht informieren), Wärmegeräte und entsprechende Matten vorbereiten, Lärmpegel dämpfen, unnötige Gespräche sind zu unterlassen! Die ganze Aufmerksamkeit gehört dem Kind! Türen geschlossen halten!

·         Kinder leiden teilweise noch lange (bis zu 1 Jahr!) nach einer Operation und der damit verbundenen Hospitalisation an Verhaltensauffälligkeiten, z.B. aggressives Verhalten, Angst, vermehrtes Verlangen nach Aufmerksamkeit, Ein-/Durch-Schlafstörungen, Albträume, Enuresis! Umso wichtiger ist die kompetente kindgerechte Planung und Durchführung einer Narkose

·         Psychologische Aspekte der verschiedenen Alterstufen:

·         Kinder < 6 Monaten verkraften die psychologischen Umstände einer Operation in der Regel recht gut, solange sie sich in einer sicheren, d.h. ruhigen, warmen und freundlichen Umgebung befinden. Unbekannte Personen werden noch nicht als bedrohlich empfunden. Auch die Liberalisierung des Nüchterngebotes mit lediglich 4h präoperativer Milchkarenz trägt dazu bei, dass kleine Säuglinge keinen Stress empfinden.

·         Bei Säuglingen > 6 Monaten und Kleinkindern handelt es sich sicherlich um die anästhesiologische Risikoklientel, da diese Kinder die Krankenhaussituation als starke emotionale Belastung empfinden. Bereits im zweiten Lebenshalbjahr beginnen Säuglinge zu "fremdeln", sie lernen ihre Umwelt zu differenzieren und können vertraute Personen von Unbekannten unterscheiden. Die unvermittelte Trennung von Bezugspersonen kann zu komplettem Kontrollverlust führen. Kleinkinder sind noch nicht in der Lage, ein realistisches Krankheitskonzept zu verstehen, sie erkennen keinen kausalen Zusammenhang zwischen Krankenhausaufenthalt und positiven, "heilenden" Effekten einer Operation. Die Haltung der Bezugsperson spielt dabei eine entscheidende Rolle: Empfindungen der Eltern werden auf das Kind übertragen, Kleinkinder orientieren sich stark am Verhalten der Bezugsperson.

·         Schulkinder besitzen bereits ein einfaches Verständnis von Gesundheit und Krankheit, sie können eingeschränkt den Zusammenhang zwischen Krankheit und medizinischen Maßnahmen nachvollziehen, haben aber noch kein Verständnis für abstrakte Erklärungen. den Patienten bei elektiven Eingriffen überprüfen!

·         Narkoseein- und ausleitung  sind die komplikationsträchtigsten Abschnitte einer Kinderanästhesie!

·         Die intravenöse Einleitung der Anästhesie ist die sicherste und schnellste Form der Anästhesieinduktion bei Kindern und obligatorisch bei

·         nicht-nüchternen Kindern

·         Verdacht auf schwierigen Atemweg

·         kritisch kranken Kindern (ASA ≥ 3) (14)

·         Eine Alternative zum i.v.-Zugang in besonderen Situationen stellt die gezielte Anlage eines intraossären Zugangs dar.

·         Die Maskeneinleitung (inhalative Einleitung) ist eine Alternative zur i.v.-Einleitung. Aber: auch eine Maskeneinleitung kann unangenehm und bedrohlich wirken und wird nicht von allen Kindern toleriert. Das Fehlen eines venösen Zugangs stellt ein zusätzliches Sicherheitsrisiko dar.

 

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