Kinderanästhesie - Prämedikation

Kinderanästhesie - Prämedikation Hot

Michael Olbrecht  
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Prämedikation

·         Die Prämedikation umfasst die Anamneseerhebung mittels standardisierten Fragebogen incl. der Gerinnungsanamnese, die körperliche Untersuchung und Risikoevaluation, die risikospezifische Narkoseaufklärung der Eltern bzw. Sorgenberechtigten, das Einholen der Einwilligung, die Anordnung der perianästhesiologischen Massnahmen und die Dokumentation.

·         Bei Aufklärung an Regionalanästhesie denken und aufklären.

·         Beide Eltern sind zur Unterschrift verpflichtet. Eltern müssen darauf hingewiesen werden.

·         Bei Kindern < 1 Jahr sind Geburtsgewicht und Gestationalter zu notieren, um das  evtl. Vorliegen einer Frühgeburtlichkeit und die daraus resultierenden Komplikationen zu erfassen!

·         Bei Kindern mit Behinderungen und Syndromen ist die kardiale Anamnese von besonderer Bedeutung - ggf. Indikation zum kardiologischen Konsil großzügig stellen!

·         Bei der körperlichen Untersuchung gezielt auf Zeichen einer akuten Infektion, auf die Atemmechanik, auf anatomische Besonderheiten der Atemwege, des Thorax und Bewegungsapparats sowie Zeichen einer evtl. schwierigen Intubation und den Venenstatus achten!

·         Respiratorischer Infekt, insbesondere bei Elektiveingriffen: Zulassungskriterien nach Rücksprache mit Saalaufsicht bei Temperaturen < 38°, ohne klinisch symptomatische Erkrankung,  keine eitrige Sekretion/Auswurf, keine pathologischen Atemgeräusche.

·         Impfungen: Abstand für Lebensimpfstoffe (Masern, Mumps, Röteln, Gelbfieber, Windpocken, Polio (oral), BCG, Typhus (oral), Rotaviren (oral)): 2 Wochen; Totimpfstoffe (Influenza, Hepatits A/B, FSME, Polio(parenteral), Japanenzephalitis, Rabies, 6-fach Impfung): 3 Tage

·         Emla: 45-60 min vor geplanter Punktion auftragen und 15 min vor Punktion entfernen

·         Präoperative Nüchternheit:

·         klare Flüssigkeit (Wasser, gesüßter Tee, Apfelschorle): alle Kinder 2 Stunden; 

·         Säuglinge < 6 Monate: für Muttermilch oder Flaschennahrung 4 Stunden:

·         alle Kinder > 6 Monate: für Nahrung incl. Milch 6 Stunden

·         Neugeborene, Säuglinge < 6 Monaten:

·         keine Prämedikation notwendig, Schnuller, Glukosegabe p.o. ausreichend

·         Säuglinge > 6 Monate, Kleinkinder:

·         Midazolam: per os 0,5-1 mg/kg; rectal 0,5-1mg/kg; nasal 0,2-0,4 mg/kg; iv. 0,1mg/kg

·         S-Ketamin: Immer in Kombination mit Benzodiazepinen! per os 2 mg/kg; rectal 2 mg/kg; nasal 1-2 mg/kg; iv. 0,25mg/kg.

·         Schulkinder:

·         Midazolam: per os 0,5 mg/kg; nasal 0,2 mg/kg; iv. 0,1mg/kg

·         S-Ketamin: Immer in Kombination mit Benzodiazepinen! per os 2 mg/kg; rectal 2 mg/kg; nasal 1-2 mg/kg; iv. 0,25mg/kg

·         Clonidin (Kleinkinder und Schulkinder): per os 4µg/kg; rectal 4µg/kg; nasal 2-4µg/kg; iv. 2µg/kg

·         Die intramuskuläre Injektion zur Prämedikation ist in Anbetracht der zahlreichen Alternativen obsolet!

·         Ibuprofensaft wird von Kindern gut toleriert und ist auch geeignet, den Geschmack von Midazolam zu korrigieren. Aus pharmakologischer Sicht sollten Nonopioide dann bereits präoperativ gegeben werden, wenn der Wirkeintritt länger dauert als die Operation (z.B. rektale Gabe von Paracetamol: Wirkeintritt erst nach ca. 60-90 min.)

·         Ein Verzicht auf Midazolam oder andere anxiolytische Medikamente ist prinzipiell möglich, wenn es gelingt, dem Kind und auch den Eltern durch ein entsprechend professionelles, eingespieltes Setting die Angst zu nehmen.

 

 
 
 
 
 

 
 
 
 
 

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