Anaphylaktische Reaktionen in der Anästhesie

Anaphylaktische Reaktionen in der Anästhesie Hot

Michael Olbrecht  
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Anaphylaktische Reaktionen in der Anästhesie

Definition

Überschießende Abwehr des Immunsystems auf ein Allergen.  Stadienartiger Ablauf bis zum anaphylaktischen Schock, aber auch in kürzester Zeit Vollbild des Schocks ohne Vorankündigung möglich. Die Diagnostik und genaue Stadieneinteilung ist beim narkotisierten Patienten durch Narkosenebenwirkungen oder OP- egebenheiten häufig erschwert.

Häufige während einer Anästhesie ausgelöste Stoffe

·         Antibiotika. Hinweis Kreuzreaktion: bei Penicillinallergie mit Exanthembildung auf Penicilline sind Cephalosporine möglich, bei schwersten Reaktionen auf Penicilline (Anaphylaxie sollten Cephalosporine vermieden werden. Ggf. zeitlich versetzt zur Narkoseeinleitung geben um Differenzierung einer Allergie zu erleichtern

·         Muskelrelaxanzien. Hinweis: DD Pseudoallergie durch Histaminfreisetzung möglich, deshalb langsam Injizieren

·         Latex

·         Kontrastmittel

·         Nahrungsmittel. Hinweis: bisher kein Nachweis eines Zusammenhangs zwischen Soja-, Eilecithin- und Erdnussallergie und Propofolallergie

·         Metamizol

 Klassische Stadieneinteilung

·         Stadium 0: lokale kutane Reaktion

·         Stadium 1: leichte Allgemeinreaktion: generalisierter Flush, Schleimhautreaktion, Nausea, Unruhe, Husten, Luftnot

·         Stadium 2: ausgeprägte Allgemeinreaktion: Kreislaufdysregulation, beginnender Bronchospasmus, Larynxödem

·         Stadium 3: bedrohliche Allgemeinreaktion: Schock, Bewußtseintrübung, Erbrechen, ausgeprägte Dyspnoe

·         Stadium 4: Schocksymptomatik mit Organversagen, Atem- und Kreislaufstillstand

Bei einer fulminanten anaphylaktischen Reaktion können die ersten Stadien übersprungen werden. Erstsymptome sind dann Kreislaufinstabilität und/oder Bronchospasmus.

Therapie

·         Unterbinden der Zufuhr des mutmaßlichen Allergens

·         Konsultation Fach- oder Oberarzt

·         Stabilisieren der Vitalfunktionen nach dem ABCD-Schema

·         Atemwegsicherung

·         Medikamentöse Behandlung entsprechend den Symptomen

 

ab Stadium 1:

  • Dimetinden (Fenistil®) 0,1 mg/kg KG iv
  • Ranitidin 1 mg/kg KG iv

ab Stadium 2

  • Stadium 1 +
  • Methylprednisolon 5-10 mg/ kg KG iv
  • Betamimetika
  • Salbutamol 2 Hub inhalativ
  • ggf. Reproterol 90 µg iv
  • Adrenalin 1:100 inhalativ
  • Volumengabe Kristalloide

ab Stadium 3

  • 1 + 2
  • Katecholamintherapie mit 
  • Adrenalin 1 µg/kg KG iv

Hinweis: Da Kortikosteroide selbst auch eine Histaminfreisetzung bewirken können, sollen Antihistaminika zuerst verabreicht werden.

Nachsorge und Diagnostik

·         Bestimmung der Mastzelltryptase im Serum zur Diagnosesicherung Anaphylaxie innerhalb von 2 Stunden nach dem Ereignis möglich

·         Allergologische Abklärung (PRICK oder Intrakutantest) 4-6 Wochen nach dem allergischen Ereignis

·         Ggf. intensivmedizinische Überwachung ja nach Zustand des Patienten

 

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