Prämedikation Hot

Michael Olbrecht  
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Aspekte der Prämedikation

Präoperative EKG-Untersuchung

·         kardial asymptomatische Patienten vor Eingriffen mit einem hohen OP-Risiko (5 Punkte)

·         Patienten mit einem kardialen Risikofaktor und Eingriffen mit einem mittleren OP-Risiko (3 Punkte)

·         Patienten mit klinischen Symptomen einer ischämischen Herzerkrankung, bei Herzrythmusstörungen, einer Herzinsuffizienz sowie Vorliegen eines AICDs

·         Asymptomatische Patienten mit einem implantierten Herzschrittmacher benötigen kein EKG wenn die Schrittmacherkontrollen regelmäßig durchgeführt wurden

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Präoperative Röntgen-Thoraxuntersuchung

Da die Sensitivität einer Röntgenthoraxuntersuchung bei der Diagnostik kardiopulmonaler Erkrankungen gering ist, sollte die Untersuchung nur erfolgen, wenn eine klinische Verdachtsdiagnose mit Konsequenzen für das perioperative Vorgehen besteht.

Ein Röntgenthorax ist indiziert bei:

·         Abklärung einer Dyspnoe

·         Verdacht auf Pneumonie, Pleuraerguss oder Stauungszeichen

·         Anatomische Veränderungen

Echokardiographie

·         Bedeutung der Echokardiographie für die Vorhersage perioperativer Komplikationen ist derzeit unklar

·         In wenigen Untersuchungen wurden auffällige Befunde als prädiktive Faktoren für das Auftreten relevanter kardialer Komplikationen bei nicht kardiochirurgischen Eingriffen identifiziert.

·         Eine Echokardiographie ist präoperativ bei neu aufgetretener Dyspnoe und bei Patienten mit bekannter Herzinsuffizienz und Aggravierung der Symptomatik innerhalb der letzten 12 Monate indiziert

·         Eine Echokardiographie erscheint zudem sinnvoll bei Patienten mit anamnestisch nicht bekannten Herzgeräuschen vor Eingriffen mit mittleren und hohen OP-Risiko (ab 3 Punkten)

Lungenfunktion

·         Eine Lungenfunktion sollte außerhalb der Thoraxchirurgie lediglich bei einer neu aufgetretenen beziehungsweise bei Verdacht auf eine akute pulmonale Erkrankung durchgeführt werden

Erweiterte kardiale Diagnostik

Mit Ausnahme von Notfalleingriffe müssen Eingriffe bei Patienten mit akut symptomatischen Herzerkrankungen verschoben werden, da die diagnostische Abklärung des Symptomatik und daraus resultierende Therapie vorrangig zu beurteilen ist

Kriterien für eine erweiterte kardiale Diagnostik:

·         eine akut symptomatische Herzerkrankung

·         kardiale Risikofaktoren

·         eine neu aufgetretene eingeschränkte Belastbarkeit des Patienten, die nicht durch anatomische Veränderungen zu erklären ist (Arthrose Knie, Hüfte etc.)

·         erhöhtes kardiales Risikoprofil des geplanten operativen Eingriffs

Revised Cardiac Risk-Index (RCRI)

·         Ischämische Herzerkrankung (Angina pectoris und/oder Z.n. Myokardinfarkt)

·         Herzinsuffizienz

·         Schlaganfall oder TIA in der Anamnese

·         Renale Dysfunktion (Plasma-Kreatinin > 170 umol/l)

·         Insulinpflichtiger Diabetes mellitus

·         Hochrisikoeingriff laut Checkliste

MICA Score - Risikofaktoren für einen postoperativen Myokardinfarkt oder Herzstillstand (nach ASA)

·         Art des operativen Eingriffs

·         Funktionaler Status

·         Renale Dysfunktion (Plasma-Kreatinin > 130umol/l)

·         ASA Klassifikation

·         Patientenalter

Perioperativer Umgang mit Dauermedikation

ACE-Hemmer

·         Bei Eingriffen mit starken Volumenverschiebungen pausieren

·         Bei Spinalanästhesie pausieren. Sonst Fortsetzung der Therapie

Angiotensin II-Rezeptoranatagonisten

·         Bei Eingriffen mit starken Volumenverschiebungen pausieren

·         Bei Spinalanästhesie pausieren. Sonst Fortsetzung der Therapie

Anti-Parkinson-Medikamente

·         Fortsetzung der Therapie, da eine Medikamentenpausierung zur schwerer Muskelrigidität  bzw. Parkinson-Krise führen kann

Diuretika

·         Am OP Tag pausieren, da perioperativ ein hohes Risiko für Hypovolämie besteht. Postoperativ möglichst rasche Therapie fortsetzen.

Digitalispräparate

·         Aufgrund langer HWZ machen kurze Pausen wenig Sinn, zudem können durch Pausierung Tachyarrhythmien begünstigt werden. Deshalb rasche Therapiefortführung

Glukokortikoide

·         bei Patienten mit Dauermedikation (> 5 Tage) muss eine medikamentöse Therapie unbedingt fortgesetzt werden. Sonst Gefahr einer Addison-Krise

·         ggf. perioperative Substitution beachten

   

Kleine Operationen (1 Risikopunkt)

  • 25mg Hydrocortison zu OP-Beginn

mittlere Operationen (3 Risikopunkte)

  • 100 mg Hydrocortison / 24h via Perfusor
  • 1. post OP-Tag: Fortsetzung der medikamentösen Therapie

große Operationen (5 Risikopunkte)

  • 100mg Hydrocortison / 24h via Perfusor
  • 1. post OP-Tag 50mg Hydrocortison / 24h
  • 2. post-OP-Tag 25mg Hydrocortison (oral mgl.)

Insulin

·         Fortsetzung einer Insulintherapie. Engmaschige BZ-Kontrollen. Möglichst auf kurzwirksame Insulinpräparate umstellen

Kalziumanatagonisten

·         Fortsetzung einer Dauertherapie

L-Dopa

·         Fortsetzung der Therapie, da eine Medikamentenpausierung zur schwerer Muskelrigidität bzw. Parkinson-Krise führen kann

Lithium

·         72h vor OP absetzen. Spiegelkontrollen empfohlen

MAO-Hemmer

·         Fortsetzung der Therapie. Hypertensive Krisen in Kombination mit synthetischen Opioiden möglich

Metformin

·         Fortsetzung bis zum Vorabend der OP möglich

Psychopharmaka

·         Medikamentenpausierung kann zu einer lebensbedrohlichen Verschlechterung der Grundproblematik führen. Deshalb Fortsetzung der Therapie

Sulfonylharnstoffe

·         Es liegen nur wenige Daten vor. Wichtig erscheint eine engmaschige BZ-Kontrolle. Fortsetzung bis zum Vorabend der OP möglich

Statine

·         Fortführung einer Dauertherapie, keine Pausierung

Trizyklische Antidepressiva

·         Fortsetzung der Therapie. Wirkverstärkung von Sedativa, Inhalationsanästhetika und Opioide berücksichtigen

 

 
 
 
 
 

 
 
 
 
 

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