Sectio caesarea in SpA Hot

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Hintergrund

Der Kaiserschnitt ist eine in der täglichen Routine vorkommende Operation, die dennoch besondere Aufmerksamkeit verdient. Aufgrund der Veränderungen in der Schwangerschaft treffen wir auf medizinische Bedingungen, die von der Routine Abweichen und die grundsätzlichen Risiken einer Sectio sind verbunden mit der Gefahr für Leib und Leben der Mutter und des ungeborenen Kindes. Stress-Situationen können daher im Rahmen eines Kaiserschnittes schneller auftreten, als bei anderen Operationen und machen einen allerhöchsten Qualitätsanspruch und eine möglichst optimale Standardisierung der Abläufe notwendig. In dieser SOP werden die Vorbereitung und Durchführung der Spinalanästhesie bei einer Sectio festgelegt, um verbindlich das Vorgehen zu regeln und für den gesamten perioperativen Prozess von Seiten der Anästhesiologischen Versorgung ein optimales Vorgehen zu gewährleisten.

Vorbereitung

Prämedikation

Ø      Aufklärung über Verfahren, technische Durchführung, Möglichkeit der intraoperativen Schmerzwahrnehmung, Risiken (Sehr selten: Querschnittslähmung, Nervenschäden;  Kopfschmerzen; bei Versagen: Allgemeinanästhesie) und über „off-label-use“ von Opiaten in der peri- und postoperativen Schmerztherapie!

Ø      bei unauffälliger Gerinnungsanamnese der Schwangeren sind keine Gerinnungswerte notwendig (DGAI-Empfehlung)

Ø      Aspirationsprophylaxe: 30ml Na-Citrat 0,3% 20min vor OP

Ø      Trinken (klare Flüssigkeit) bis Gabe von Na-Citrat erlaubt, feste Nahrung bis 6h vor OP

Material

Ø      Venöser Zugang: mindestens 18G!

Ø      Regionalanästhesieset

Ø      Spinalnadel (Standard: 27-G-Sprotte, in Ausnahmefällen: 25-G-Sprotte)

Ø      Cutasept®-G gefärbt

Ø      Notfallintubation

Medikamente

Ø      Bupivacain (Carbostesin®) 0,5% hyperbar

Ø      Mepivacain (Scandicain®) 1% (zur lokalen Hautinfiltration)

Ø      ggf. Sufentanil epidural 5µg/ml

Ø      alternativ Fentanyl 0,05mg/ml

Ø      Akrinor® 2ml

Ø      Oxytocin 3 IE

Ø      Oxytocin-Infusionslösung (wird von Hebamme mitgebracht; lt. Anordnung Gynäkologie)

Ø      Cefuroxim Infusionslsg. 1,5g; bei Allergie:  Clindamycin 600mg i.v.

Ø      1000ml Jonosteril

Vorbereitung der Punktion

Ø      Nach Ankunft und Installieren des Monitorings (NIBP; EKG, SaO2) und Legen einer Venenverweilkanüle (mind. 18G). Kein Preload mit Kirstalloiden.

Ø      Durchführung der SpA im OP-Saal bei Anwesenheit der Gynäkologen, Hebamme und der Versorgungseinrichtung für das Neugeborene

Punktion und Lokalanästhetikum

Ø      Sitzend (alternativ Seitenlage)

Ø      Steriles Arbeiten mit ster. Handschuhen, Haube, Mundschutz

Ø      Desinfektion nach SOP(Einwirkzeit beachten)

Ø      Punktionsort: (L2/3;) L3/4; L4/5

Ø      Nadel: 27-G-Sprotte, nur nach strenger Indikation alternativ 25-G-Sprotte

Ø      2 ml Bupivacain 0,5% + 5µg Sufentanil (1ml)

Ø      Alternativ: Bupivacain 0,5% hyperbar 2,0-3,0ml „pur“

Ø      Injektionsdauer 5-10sec

Hypotensionsprophylaxe und Lagerung nach Punktion

 

Ø      Ziel: jederzeit RRsyst. >100mmHg!

Ø      Parallel zur LA-Injektion intrathekal werden in Abhängigkeit vom Ausgangsblutdruck und den Vorerkrankungen der Schwangeren 0,5-1ml Akrinor® i.v. injiziert

Ø      Druckinfusion mit kristalloider Flüssigkeit nicht indiziert zur Prophylaxe, HÄS-Gabe nur bei sonst nicht beherrschbaren Schock

Ø      ~20° Linksseitenlagerung nach Punktion

Ø      Freigabe zur Steinschnittlagerung bei ausreichender Anästhesiequalität

Maßnahmen nach Punktion

Ø      1-minütl. RR-Messung über 15 Minuten (am Monitor einstellen!!)

Ø      Austestung der Anästhesiehöhe (~Th 4) mittels Spray. Cave: Dosiert nachfragen, die Patientin nicht verunsichern! Ggf. leichte Kopftieflage.

Ø      Überwachung der Schwangeren

Ø      Bei Angabe von Übelkeit: 0,5-1ml Akrinor® i.v.

Ø      Bei Bedarf (SpO2 < 95%) Sauerstoffapplikation (2-4l/min) über Nasensonde

Ø      Vor Schnitt erfolgt die Testung auf Höhe des Hautschnitts mit Pinzette seitens Operateur. Bei nicht ausreichender Anästhesie weiteres Abwarten, alternativ ITN

Therapie der Hypotension

Ø      Akrinor® i.v

Ø      Verstärkte Linksverlagerung (15-20 Grad) (Gynäkologe!)

Ø      ggf. Atropin 0,5mg i.v. oder 1 Amp. Robinul® i.v.

Maßnahmen nach „Abnabeln“

Ø      3IE Oxytocin als KI

Ø      Oxytocin-Infusion lt Anordnung Gynäkologie 

Ø      Antibiotikumgabe lt. Anordnung Gynäkologie

Ø      Die Versorgung des Neugeborenen ist lt. Leitlinie primär in der Verantwortung der Gynäkologie. Ist die Anästhesie und der Zustand der Mutter stabil und eine anästhesiologische Pflegekraft in der Lage die Patientin zu überwachen, kann der/die Anästhesist/-in die Versorgung des Neugeborenen unterstützen. In den Fällen, in denen der/die Anästhesist/-in die Mutter nicht verlassen kann und bei Risikoschwangeren muss der Gynäkologe die Versorgung des Neugeborenen organisieren. Bei einer Gemini-Sectio müssen zwei Gynäkologie-Fachärzte anwesend sein.

Postoperative Überwachung, Aufwachraum, Analgesie

Ø      Primär im Aufwachraum oder auf der Intensivstation

Ø      Kontrolle der Anästhesiehöhe, Verlegung wenn eine deutliche motorische und/oder sensible Erholung (>2 sensible Segmente) vorhanden und ansonsten kardiopulmonale Stabilität gegeben ist.

Ø      Bei Pruritus: 40-50µg Naloxon i.v. (ggf. wiederholen), wenn kein Erfolg: 4mg Zofran® i.v

 

Ø      Vor Verlegung: Oxygesic ret. 20 mg p.o. + 600mg Ibuprofen p.o. (Allergien/Kontraindikationen beachten)

SOP Kopfdaten

Version
1
Gültigkeit
31. Dez. 2015
Alle anzeigen: HK Titisee-Neustadt
Autor/en
Daniel Schmitz-Buchholz, Thomas Mrotzek