CPAP in der Neonatalperiode

CPAP in der Neonatalperiode Hot

Dr. Christian Icke  
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1.   Vorbemerkung
1.1 Wirkung
1.2 Methoden

2.   Indikationen

3.   Kontraindikationen

4.   Komplikationen

5.   Vorbereitungen
5.1 Patient
5.2 Raum

6.   Material

7.   Durchführung
7.1 Einstellen des Gerätes entsprechend ärztlicher Anordnung
7.2 Anlegen des Systems
7.3 Apparative Überwachung
7.4 Spezielle Krankenbeobachtung
7.5 Pflege
7.6 Eltern-Kind-Interaktion

8.   Nachbereitung
8.1 Patient
8.2 Dokumentation
8.3 Wechselintervall

9.   Besonderheiten - Entwöhnung entsprechend Schema
9.1 Voraussetzung über 12 h
9.2 Durchführung
9.3 Kriterien für versagende Spontanatmung


 

 

1. Vorbemerkung

CPAP (Continuous Positiv Airway Pressure) ist eine Methode zur Unterstützung der Spontanatmung

1.1 Wirkung

CPAP

  • Erhöhung der funktionellen Residualkapazität
  • Atelektaseschutz
  • Stimulation des Atemzentrums (Hering – Breuer - Reflex)

1.2 Methoden

binasale Systeme

  • Infant Flow®-System (Standardmethode bei uns)
  • Baby Flow® Dräger®/ Easy Flow® Stephan®/ Hudson® Prong in Kombination mit einem Beatmungsgerät (unsere Methoden der 2. Wahl)

mononasale Systeme 

  • nasopharyngealer Tubus in Kombination mit einem Beatmungsgerät (unsere Methode der 1. Wahl zur Erstversorgung und auf Transport)

2. Indikationen

  • respiratorische Anpassungsstörung des Früh-/ Neugeborenen
  • rezidivierende Apnoen des Frühgeborenen
  • Atemunterstützung nach Extubation/ Entwöhnung von der (Langzeit)Beatmung
  • Pneumonie des Neugeborene

Die Indikation stellt Arzt. Das Anlegen erfolgt durch die Pflegekraft.

3. Kontraindikationen

Relative Kontraindikationen können gastrointestinale Fehlbildungen und/oder Erkrankungen sein.

4. Komplikationen

  • Druckschädigung
  • Atemwegsobstruktion durch Schwellung, Austrocknung oder Sekret
  • Überblähung des Magens
  • Pneumothorax
  • respiratorisches Versagen
  • Erschöpfung
  • Ineffektivität durch Lecks

5. Vorbereitung

5.1 Patient

  • Legen einer großlumigen, kontinuierlich offen bleibenden Magensonde durch den Mund zur Entlastung des Magens (bis ca. 2,5 kg KG CH 6/ ab 2,5 kg KG CH 8)
  • Messen des Kopfumfanges

5.2 Raum 

  • Anschließen und Gerätecheck des mit einem sterilen System bestückten (Beatmungs-)Gerätes
  • Aktivierung der Atemgasklimatisierung (Atemgastemperatur 37 °C, Luftfeuchte des Atemgases 100 %/ bei automatischer Befeuchtung Modus „invasiv“)

6. Material

Jeder Hersteller hat sein spezifisches System aus einzelnen Komponenten.

  • CPAP-Generator
  • Prong und Maske in der ausgemessenen Größe und jeweils Alternative eine Größe +/-, Feststellen der Zubehörgröße an Hand der systemspezifischen Schablone
  • Fixierungsmütze entsprechend Kopfumfang
  • Haltebänder
  • Adapter zur Verbindung mit dem Beatmungssystem

oder

  • Endotrachealtubus
    (2,0 bis ca. 1000 g KG/ 2,5 bis ca. 2000 g KG/ 3,0 bis ca. 3000 g KG/ 3,5 ab ca. 3500 g KG)
  • Pflaster
  • Schere

7. Durchführung

7.1 Einstellen des Gerätes entsprechend ärztlicher Anordnung

  • Modus       
  • Sauerstoffkonzentration
  • Flow/ Druckniveau in cm Wassersäule

7.2 Anlegen des Systems

Binasales System: Prongs (spezieller doppelläufiger Nasentubus) oder Maske so auswählen, dass die Nasenlöcher vollständig abgedichtet werden und der Nasensteg nicht gedrückt wird, mittels passender Mütze und Haltebändern am Kopf fixieren, Gerät anschließen
   
Fixierung Infant Flow®-System

Rachentubus:   

größenentsprechenden Endotrachealtubus durch die Nase bis in den Oropharynx einführen (Tiefe: Distanz Ohrläppchen – Nasenspitze minus 1cm), mittels Pflaster fixieren, Tubus kürzen, Beatmungsgerät anschließen, Tubusmarke dokumentieren

7.3 Apparative Überwachung

  • Kontinuierliches Monitoring von Herzfrequenz, Atemfrequenz mit Apnoedauer, Sauerstoffsättigung, transkutanem  pCO2 und pO2
  • Einstellung der Grenzwerte entsprechend ärztlicher Anordnung
  • Röntgen Thorax nach erster Anlage auf ärztliche Anordnung

7.4 Spezielle Krankenbeobachtung

  • Inspektion druckexponierter Stellen zu jeder Versorgungsrunde: v.a. Nasenlöcher, Nasensteg, Nasenrücken, Ohren
  • kontinuierliches Beobachten der Atmung: Rhythmus, Einziehungen, Thorax, Sauerstoffbedarf
  • kontinueierliches Beobachten des Verhaltens: Stresszeichen, Unruhe, Erschöpfung
  • Beobachten des Abdomens, der Nahrungsverträglichkeit und der Stuhlausscheidung zu jeder Mahlzeit

7.4 Pflege

  • Manipulation an der Nase verursachen Unwohlsein und Schmerzen!
  • sichere, druckentlastende Fixierung des Systems und druckentlastende Lagerung der Schläuche
  • Abpolstern druckexponierter Stellen 
  • bei Undichtigkeit durch geöffneten Mund Gabe von Beruhigungssaugern zum Verschließen des Mundes 
  • kein regelmäßiger Device-Wechsel notwendig, wenn eine optimale Anpassung erfolgt ist
  • auf Durchgängigkeit des Rachentubus achten, verstopfen sehr schnell, bei Wechsel auch Wechsel der Seite
  • Druckverlust bei Manipulation und Wechsel vermeiden
  • auf ausreichende Atemgasklimatisierung achten
  • Absaugen nur nach Bedarf  (Rachentubus nicht anspülen!), Mundpflege lt. Standard 
  • keine Creme oder Salbe zur Nasenpflege, event. Anfeuchten der Schleimhaut mittels NaCl 0,9%
  • Stress für das Kindes vermeiden, Anwendung sanfter Pflegemethoden (minimal Handling, Comfortmaßnahmen zur Schmerzprävention und -therapie)
  • Positions- und Lagerungswechsel vorsichtig durchführen, um zusätzlichen Druck oder Zug zu vermeiden
  • Bewegen und Lagerung unter kinästhetischen Aspekten, alle Lagerungen (abdomenentlastend) sind möglich
  • bei Unruhe Ursache suchen, Masken sind z.B. sanfter als Prongs, Sedierung als letztes Mittel 
  • Unterstützen der regelmäßige Stuhlausscheidung 
  • Effektivität der Magenentlastung durch Magensonde regelmäßig überprüfen, b.B. zusätzlich manuell Luft abziehen, event. sind Lagekorrekturen der Magensonde notwendig
  • schonende Ernährung, Beurteilen des Magenrestes zu jeder MZ, orale Nahrungsaufnahme (auch Stillen) ist möglich

7.5 Eltern-Kind-Interaktion

Känguruhen, Stillversuche und der Umfang der Beteiligung an der Pflege sind abhängig vom Zustand des Kindes. CPAP an sich ist kein Hinderungsgrund.

8. Nachbereitung

8.1 Patient

jeweils nach den Pflegemaßnahmen für ausreichend Ruhe und Erholungszeiten sorgen

8.2 Dokumentation

  • verwendetes Systems, Art und Größe des Nasentubus
  • Tubusmarke
  • Lage der Magensonde
  • Vital- und Geräteparameter stündlich bzw. nach angeordnetem Intervall und bei allen (bestätigten) Änderungen
  • Verhalten des Kindes, Atemqualität, Sekretverhalten, Beurteilung des Abdomens

8.3 Wechselintervall

  • Systemwechsel nicht routinemäßig , aber bei Verschmutzung
  • Aufbewahrung Ersatzprongs/ -masken im verschlossenem Behälter, Wechsel bei Verschmutzung oder nach 7 Tagen
  • Wechsel Magensonde bei Dislokation oder nach 7 Tagen
  • Wechsel Rachentubus bei täglich oder bei Obstruktion
  • Wechsel Haltesystem (Mützen/ Bänder bei Bedarf (Größenanpassung oder Verlust der Haltefunktion)

9. Besonderheiten - Entwöhnung entsprechend Schema

9.1 Voraussetzung über 12 h     

  • kein behandlungsbedürftiger PDA bzw. keine Sepsis
  • CPAP-Niveau < 6 cm H2O
  • mittlere Sauerstoffsättigung > 90%
  • Sauerstoffbedarf < 25%
  • AF < 60/min
  • keine schweren inspiratorischen Einziehungen
  • CPAP-Pausen von max. 15 min während den Versorgungen werden toleriert 
  • < 3 selbstlimitierende Apnoen (< 20 s) u./o. Bradykardien (< 100 bpm) u./o. Sättigungsabfälle (< 86 %/h) in den vergangen 6 h

9.2 Durchführung

Wenn alle 8 Kriterien zutreffen wird die CPAP-Atemhilfe entfernt, eine O2-Substitution erfolgt b.B., es
erfolgt kein Einsatz von High-Flow-Nasenbrillen.

9.3 Kriterien für versagende Spontanatmung

  • zunehmende Atemanstrengung (interkostale Einziehungen, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur) u. AF > 75/min
  • > 2 Apnoen u./o. Bradykardien u./o. Sättigungsabfälle innerhalb 1h
  • Sauerstoffbedarf  > 25% für eine mittlere Sauerstoffsättigung > 86 %
  • ph < 7,20
  • paCO2 > 65 mmHg
  • Apnoe mit Notwendigkeit der Beutelbeatmung

Treffen 2 Kriterien zu, wird CPAP erneut gestartet

 

SOP Kopfdaten

Version
3
Gültigkeit
27. Apr. 2016
Alle anzeigen: HK Erfurt
Bereich
Pflege
Autor/en
S. Pia Schäffer für AG Pflegeleitlinien Kinderkrankenpflege